raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

Monat: November 2024

Meerschweinchen al dente

Im Küstenort Paracas, der bei in- und ausländischen Touristen gleichermaßen beliebt ist, stärkten wir uns zuerst bei einem verfrühtem Mittagessen und mit frischem Erdbeer-Shake! Erdbeeren sind hier in Peru wieder sehr beliebt, werden zuhauf angebaut und sind deswegen auch nicht teuer. Da wir noch recht früh dran waren für den Check-in und bei der Unterkunft keiner auf die Klingel reagierte, ließen wir uns kurzerhand im Lokal daneben nieder und machten längst überfällige Anrufe zuhause 😉 Als dann um 15:00 Uhr Nachmittag immer noch niemand aufmachte und auch nicht auf WhatsApp reagierte, wurde es uns zu blöd, denn wir waren ja seit letzter Nacht unterwegs und wollten dringend duschen. Wir stornierten die Unterkunft über die App, gingen zwei Straßen weiter zur Hospedaje Mary, die uns gleich einen guten Preis machte. Ich hatte leider irgendwas feineres aufgeschnappt, genauer gesagt Halsweh und grippeähnliche Symptome, aber so schlimm war es dann auch nicht.

Am späteren Nachmittag spazierten wir dann an der “Promenade” entlang und es dauerte nicht lange, bis uns ein Tour-Verkäufer namens Alfredo geschickt in ein Gespräch verwickelte und uns alles Mögliche für die nächsten Tage andrehen wollte. Das Programm für die meisten Backpacker in Paracas lautet einen Tag einen Roller zu mieten und damit den Wüsten-Nationalpark zu erkunden und am nächsten Tag eine Bootstour zu den Islas Ballestas zu machen, um Robben, Pinguine und sonstige Vögel zu beobachten. Für all das, den Weitertransport nach Huacachina inkl. Buggy-Fahrt durch die Dünen ging er auf nur 130 Soles p.P. (32€) runter, nachdem wir uns mit einer fixen Zusage zierten. Hundertprozentig traute ich Alfredo ja nicht… gerade bei Verkäufern, die dich auf der Straße abfangen, muss man immer seeeeehr vorsichtig sein. Wir sagten ihm, wir gingen zuerst noch ein Bier trinken und kommen dann wieder, um das Geschäft abzuschließen. In der Bar nebenan fragte ich dann den Kellner, ob er Alfredo kenne und ob dieser vertrauenswürdig sei. Ja, sagte er, Alfredo sei “a good man”, weshalb wir diesen danach nochmals aufsuchten und den Deal abschlossen. Um diesen Preis ist wirklich nicht viel hin, dachten wir uns.

Dünne Luft

Da es noch mitten in der Nacht (03:30 Uhr) war, als wir in Lima ankamen, ließen wir uns Zeit, gingen am Flughafen Zähneputzen und hauten uns auf Stühle in der Ankunftshalle, da wir im Dunkeln noch kein Taxi nehmen wollten. Das mit den Taxis in Lima ist sowieso eine schwierige Geschichte, denn nicht mal die Einheimischen nehmen sich noch gerne klassische Taxis, da sie teuer und oft unsicher sind. Glücklicherweise bot der Flughafen gratis WLAN an, damit wir uns ein Uber bestellen konnten, um zum Busterminal vom Unternehmen Cruz del Sur zu gelangen.

Nach einem vom Busterminal nahegelegenen Frühstück in einem Café stiegen wir dann in den gemütlichen Bus ein. Die Sitze kann man so weit nach hinten stellen, dass man gut schlafen kann. Außerhalb von Lima durchkreuzten wir stundenlang unwirtliche Wüste, bis wir dann in gebirgigere Gefilde kamen, die aber trotzdem noch sehr trocken aussahen. Es war dann schon dunkel, als wir in Huaraz ankamen, aber wir gingen das Risiko, ein Taxi zum Hotel zu nehmen, ein, denn nach 30 Stunden auf Achse ist man irgendwann einfach KO. Wir verhandelten den Preis auf 15 Peruanische Soles runter, was etwas weniger als 4€ entspricht. Der Taxler war aufrichtig und in unserem spärlichen Spanisch erfuhren wir, dass es in Huaraz sehr sicher sein soll.

Huaraz liegt auf 3100 Meter Seehöhe, hat etwa 150.000 Einwohner und ist der typische Ausgangspunkt für Bergtouren in die Cordillera Blanca. Der höchste Berg in der Umgebung (und der höchste von Peru) ist der Huascarán mit 6768m. Die Stadt wurde 1941 von einer Schlammlawine zerstört, ausgelöst durch einen abbrechenden Eisturm, der in einen See stürzte. 1970 kam dann die nächste Katastrophe, nämlich ein Erdbeben, das etwa 10.000 Menschen das Leben kostete und alle historischen Gebäude zerstörte. Leider schauen die neu aufgebauten Häuser nicht gerade schön aus, es sind schnell und billig aufgebaute Ziegelhäuser ohne richtigem Dach, und beim obersten Stock stehen die Betoneisen frei nach oben weg. Dieser Praxis begegneten wir schon in vielen Teilen der Welt, denn solange ein Haus sich “noch im Bau befindet”, muss man auch keine Steuern zahlen.

Tanz auf dem Vulkan

In der schönen Kolonialstadt Antigua, die von mehreren Vulkanen umgeben ist, kamen wir schon um kurz nach 8 Uhr an. Dort gingen wir im Zentrum erstmal frühstücken, und wie in den meisten Touristenzentren gab es auch hier einen ausgezeichneten Cappuccino. Die Preise dafür sind aber schon als mitteleuropäisch zu beziffern… Beim Hauptplatz wollte uns gleich ein Verkäufer einen teuren Transport nach Sumpango vermitteln, wo an jedem 1. November das “Riesendrachen-Fest” stattfindet. Das Steigenlassen von Drachen spielt in Guatemala eine große Rolle und ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Kinder. Allerdings werden in Sumpango keine kleinen Spielzeugdrachen in die Luft gebracht, sondern mehrere Meter große Exemplare, gefertigt aus Bambusstöcken und mehreren Lagen Papier. Wir fragten den Verkäufer, ob es nicht möglich sei mit den Chicken-Bussen nach Sumpango zu kommen und er meinte, dass es ziemlich kompliziert sein würde. Herausforderung angenommen!

Unser Gepäck konnten wir im Hotel abgeben und wir machten uns auf dem Weg zum Busterminal, wo wartende Busfahrer uns erklärten, dass wir nur einmal in Chimaltenango umsteigen müssen und uns gleich den richtigen Bus zeigten. Im Bus war noch kein anderer Fahrgast und ich dachte mir, dass wir jetzt wahrscheinlich ewig warten können bis der Bus voll ist und wir losfahren. Ich sprach den Fahrer darauf an und er meinte, er fährt in 5 Minuten nach Fahrplan los und nicht erst nach einer gewissen Anzahl von zahlenden Fahrgästen. Sieh mal einer an, es existieren sogar ungeschriebene “Fahrpläne”, hätten wir uns nicht gedacht! Bis wir dann aber aus Antigua draußen waren, verging sicher fast noch eine Stunde, denn der Verkehr war stark und alle paar Meter blieben wir stehen, um lautstark weitere Fahrgäste anzuwerben (“Chimal! Chimal!”). In Chimal wartete ein Bus nach Sumpango schon an der nächsten Ecke. So kompliziert wie der Verkäufer uns glauben machen wollte, war es dann doch nicht gewesen 😂

Im Land der Maya

Die ersten paar Tage in Guatemala verbrachten wir auf Flores, einer kleinen Stadt-Insel auf dem Petén-Itzá-See, die mit einer Brücke mit dem Festland verbunden ist. Der erste Tag war leider ziemlich verregnet, da das Wetter von einem an der Belizer Karibikküste wütenden Tropensturm beeinflusst wurde, dem wir allerdings endlich einmal frühzeitig entkommen waren. Am darauffolgenden Tag klingelte der Wecker schon um 03:45 Uhr, denn wir nahmen an der Early-Bird-Tour zur antiken Maya-Stadt Tikal teil, um den späteren Menschenmassen zu entgehen. Das erwies sich als kluge Entscheidung, denn es war Sonntag und als wir unsere Besichtigung um etwa 10:00 Uhr beendeten, strömten die Horden von guatemaltekischen Touristen geradezu beim Eingang herein.

Tikal selbst beeindruckte uns sehr, das Gelände war riesig und die bis zu 65 Meter hohen Tempel und Pyramiden, die teilweise über 2000 Jahre alt und mitten im Regenwald sind, ließen uns noch mehr staunen als die z.B. in Chichen Itzá in Mexiko. Von unserem Guide, selbst ein Maya, erfuhren wir viele interessante Details. Bis jetzt sind nur etwa 20% der schätzungsweise 13000 (!!!) Tempel und Gebäude ausgegraben worden, der Rest liegt weiterhin im Dschungel vergraben. Man erkennt aber an einigen Hügeln, an denen man vorbei wandert, dass sich darunter weitere Pyramiden verbergen. Die Kosten für diese archäologischen Ausgrabungsprojekte sind aber dermaßen immens, dass die Forschungsgelder bei weitem nicht reichen. Guatemala selbst ist arm, weswegen die Ausgrabungen meist von reichen Staaten oder Bündnissen wie den USA, EU oder Japan geleitet werden. Leider landen bedeutende Funde dann meist in ausländischen Museen, obwohl sie für die Maya eine große religiöse Bedeutung haben und eigentlich hierher gehören. Diesen Schmerz konnte man deutlich aus den Worten unseres indigenen Guides heraushören. Ebenso erstaunt hat uns die Tatsache, dass hier im Nationalpark Sichtungen von wilden Jaguaren keine Seltenheit sind, seitdem sie nicht mehr bejagt werden. Für die Menschen sind die großen Raubkatzen nicht gefährlich. Leider war es uns nicht vergönnt, einen Jaguar in freier Wildbahn zu sehen.

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