Im Küstenort Paracas, der bei in- und ausländischen Touristen gleichermaßen beliebt ist, stärkten wir uns zuerst bei einem verfrühtem Mittagessen und mit frischem Erdbeer-Shake! Erdbeeren sind hier in Peru wieder sehr beliebt, werden zuhauf angebaut und sind deswegen auch nicht teuer. Da wir noch recht früh dran waren für den Check-in und bei der Unterkunft keiner auf die Klingel reagierte, ließen wir uns kurzerhand im Lokal daneben nieder und machten längst überfällige Anrufe zuhause 😉 Als dann um 15:00 Uhr Nachmittag immer noch niemand aufmachte und auch nicht auf WhatsApp reagierte, wurde es uns zu blöd, denn wir waren ja seit letzter Nacht unterwegs und wollten dringend duschen. Wir stornierten die Unterkunft über die App, gingen zwei Straßen weiter zur Hospedaje Mary, die uns gleich einen guten Preis machte. Ich hatte leider irgendwas feineres aufgeschnappt, genauer gesagt Halsweh und grippeähnliche Symptome, aber so schlimm war es dann auch nicht.
Am späteren Nachmittag spazierten wir dann an der “Promenade” entlang und es dauerte nicht lange, bis uns ein Tour-Verkäufer namens Alfredo geschickt in ein Gespräch verwickelte und uns alles Mögliche für die nächsten Tage andrehen wollte. Das Programm für die meisten Backpacker in Paracas lautet einen Tag einen Roller zu mieten und damit den Wüsten-Nationalpark zu erkunden und am nächsten Tag eine Bootstour zu den Islas Ballestas zu machen, um Robben, Pinguine und sonstige Vögel zu beobachten. Für all das, den Weitertransport nach Huacachina inkl. Buggy-Fahrt durch die Dünen ging er auf nur 130 Soles p.P. (32€) runter, nachdem wir uns mit einer fixen Zusage zierten. Hundertprozentig traute ich Alfredo ja nicht… gerade bei Verkäufern, die dich auf der Straße abfangen, muss man immer seeeeehr vorsichtig sein. Wir sagten ihm, wir gingen zuerst noch ein Bier trinken und kommen dann wieder, um das Geschäft abzuschließen. In der Bar nebenan fragte ich dann den Kellner, ob er Alfredo kenne und ob dieser vertrauenswürdig sei. Ja, sagte er, Alfredo sei “a good man”, weshalb wir diesen danach nochmals aufsuchten und den Deal abschlossen. Um diesen Preis ist wirklich nicht viel hin, dachten wir uns.
Der Rollerverleih morgens klappte dann problemlos und das Gefährt war ein wirklich gutes, neues Modell. Also machten wir uns auf in den Nationalpark, welcher schon kurz außerhalb von Paracas anfing. Nachdem wir die Eintrittsgebühren am Checkpoint bezahlt hatten, kamen wir gleich an beeindruckenden farbigen Dünen vorbei, wo wir natürlich stehenbleiben und raufgehen mussten. Beim Abstieg zurück zum Roller sahen wir aus der Ferne, wie ein Wachmann zu unserem abgestellten Moped ging und etwas in sein Funkgerät sprach. Da dachte ich mir schon, dass wir etwas angestellt hatten, aber wir haben kein Verbotsschild und keine Absperrung gesehen. Hinter dem Hügel befand sich irgendein Museum und die Angestellten müssen uns gesehen haben, wie wir auf die Dünen spaziert sind. Als wir dann bei dem Mann ankamen, textete er uns gleich auf Spanisch zu. Wir verstanden soviel, dass es verboten sei, auf die “cerros de los colores” zu gehen und das Museum nur den eben genannten Dünen gewidmet sei. Sein Chef würde gleich da sein und unsere Personalien aufnehmen… Oje, hoffentlich folgt keine Strafe oder Anzeige, war mein Gedanke. Ich entschuldigte mich mehrmals und stellte mich etwas dumm und dann ließen sie uns auch schon weiterfahren… zum Glück! Ein paar hundert Meter weiter war dann auch ein Verbotsschild zu sehen 😂
Wie unterschiedlich doch diese Wüstenlandschaft direkt am Meer im Gegensatz zu den Bergen in Huaraz ist! Unser zweiter Stopp war an einem wunderbarem Sandstrand, die Wassertemperatur des Pazifiks betrug aber nur geschätzte 20°C. Weitere tolle Aussichtspunkte folgten, und auch ein pinker Salzsee war dabei, wie wir schon einen in Australien bewundern konnten. Trotz der wüstenartigen, sandigen Umgebung ohne jeglichen Bewuchs war es durch den Wind ziemlich kalt und am späten Nachmittag froren wir trotz Jacke und langer Hose. Am Abend konnte ich der Verlockung nicht widerstehen, nach “Alfredo Paracas” zu googlen, denn ich war nach wie vor misstrauisch gegenüber Alfredo. Gleich der erste Eintrag in Google führte zu einem Beitrag in Facebook, wo sich jemand über Alfredo beschwerte, dass er ein Betrüger sei und Geld abgezockt und nichts geliefert habe. Auch andere sehr zwiespältige Bewertungen fand ich, einige sehr schlechte und andere sehr gute. Ich beschloss für mich, Romana nichts zu sagen, um sie nicht zu verunsichern und den nächsten Tag einfach drauf ankommen zu lassen. Und siehe da, am nächsten Morgen fuhren wir mit 1000 anderen Leuten auch zu den nahegelegen Islas Ballestas, wo wir viele Vögel, Humboldt-Pinguine und Robben beobachten konnten. Eine echte Massenabfertigung diese kurze Tour, aber was soll’s. Auf dem Weg zu den Inseln kommt man an einer beeindruckenden Geoglyphe vorbei, dem Kandelaber von Paracas. Das ist eine 180m große Figur, die an einen Kerzenleuchter erinnert, in den Sandstein gegraben wurde und anscheinend über 2000 Jahre alt ist! Wie ist es möglich, dass nach so langer Zeit diese Linien immer noch sichtbar sind, fragte ich mich. Der Guide am Boot sagte, dass wir uns in einer der trockensten Gegenden des Planeten befinden und die Geoglyphe im Windschatten ist. Sehr beeindruckend!
Der Weitertransport zur Oase Huacachina klappte dann auch noch, somit hatte Alfredo schon 3 von 4 Punkte geliefert. Als dann auch noch die Buggy-Fahrt durch die Wüste stattfand und wir nach dem “Sandboarding” kiloweise Wüstensand in den Schuhen hatten, müssen wir Alfredo folgendes zugestehen: alles, was der dubiose Verkäufer uns versprochen hat, wurde auch geliefert. Was lernten wir daraus? So wichtig es heutzutage ist, Bewertungen zu lesen, so schnell ist man auch mit Vorurteilen. Ein gesundes Misstrauen ist natürlich überall angebracht, aber vielleicht hat sich Alfredo ja in der Zwischenzeit gebessert. Wahrscheinlich hatten wir nur Glück, man denke zurück an Indonesien, wo wir so richtig bei einer Bootstour abgezockt wurden. Schlitzohren gibt es auf der ganzen Welt, zum Großteil verzeichnen wir aber freundliche und ehrliche Begegnungen.
Huacachina ist nur wenige Kilometer von der Stadt Ica entfernt, ist aber umgeben von riesigen Sanddünen und hat in der Mitte einen kleinen See. Der kleine Ort besteht quasi nur aus Hotels, Restaurants und Anbietern von Buggytouren, Sandboarding oder Sandskifahren. Am späteren Nachmittag versammeln sich dann etwas oberhalb der Oase unzählige Touristen, die sich dann von laut dröhnenden Fahrzeugen (“Buggies”) einen wilden Ritt durch die sandige Unendlichkeit erhoffen. Während der spaßigen Fahrt fragte ich mich mehrmals, was wohl die wissenschaftliche Erklärung dazu ist, warum immer nur die Frauen so laut kreischen müssen, wenn es plötzlich rasant wird 😂
Wir blieben nur eine Nacht, damit hat man Huacachina auch schon ausreichend gesehen. Außerdem sind die billigsten Unterkünfte dreimal so teuer als sonst im Land. Trotzdem waren wir sehr beeindruckt von den Bergen aus Sand! Als wir um ca. 09:00 Uhr barfuß auf die hohe Düne nebenan stiegen, war der Sand bereits fast unaushaltbar heiß und wir verbrannten uns beim Abstieg fast die Füße 🙈
Von Ica ging es mit dem Nachtbus weiter nach Arequipa. Mit 14 Stunden Fahrt wahrscheinlich die längste bis jetzt… Wenigstens durften wir in Arequipa im AirBnb schon vormittags einchecken! Arequipa ist mit 1,2 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Perus und im Gegensatz zu Lima ein wahres Juwel. Unzählige Kirchen, schöne Gebäude, umwerfende Innenhöfe und generell sauber. Natürlich steckte ich Romana mit meinem Schnupfen an und wir rotzen beide bis heute um die Wette 😉 Deswegen ließen wir es in Arequipa ruhiger angehen und konzentrierten uns auf die kulinarische Vielfalt Perus. Habt ihr gewusst, dass die peruanische Küche als eine der besten der Welt gilt und bei internationalen Wettbewerben eine Auszeichnung nach der anderen gewinnt? Gleich am ersten Abend suchten wir uns ein Anticucho-Lokal, denn Anticuchos waren uns stark empfohlen worden – gegrillte Rinderherzen. Wir beide waren überrascht, wie zart die Anticuchos sind! Auch wenn Romana nicht aus dem Häuschen war, mir schmeckten die Spieße “herzhaft” gut. Tags darauf machten wir eine “Food-Tour” mit einem Guide, der uns so viele lokale Spezialitäten besorgte, dass wir am Ende fast platzten. Und dann kam der Tag, an dem wir in einem besseren Restaurant das berühmte südamerikanische Cuy chactado probierten – Meerschweinchen im Ganzen. Mit 60 Soles (15 €) eine teure Delikatesse in Peru. Als das riesige Cuy dann auf einem Teller vor mir lag, inklusive Kopf und manchen Innereien, hatte ich keine Ahnung, wie ich es essen sollte. Ähnlich wie bei einem Hendl ließ sich das Fleisch von den Haxen gut lösen. Es schmeckte auch ähnlich wie Hühnchen, vielleicht etwas fettiger. Ich muss zugeben, irgendwie hatte ich dann doch bald genug davon. Der Anblick der komischen Innereien und der Nagezähne im Maul waren ein herber Dämpfer des kulinarischen Erlebnisses, und auch die ranzige Erdäpfelbeilage trug nicht gerade positiv dazu bei 🤢 Dafür konnte uns der National-Cocktail “Pisco Sour” absolut überzeugen, er liefert sich sogar ein knappes Rennen mit meinem Lieblings-Cocktail Mai Tai.
Einen Ausflug von Arequipa aus buchten wir dann doch, nämlich zu den Salinas. Das ist ein Salzsee auf einem Hochplateau, auf dem auch viele Alpakas, Lamas, Vikunjas und Guanakos leben. Erstere zwei sind die domestizierten Varianten der Anden-Kamele und letztere zwei die Wildlebenden. Vor allem die Vikunjas sind sehr klein und zierlich und haben natürlich Romana sofort verzückt. Das Plateau liegt schon wieder auf fast 4500 Meter Seehöhe und die Höhenluft lässt uns wieder schnaufen wie nach einem Marathon. Zum späten Mittagessen bestellte ich ein weiteres landestypisches Gericht, nämlich Rocoto relleno con pastel – Gefüllter scharfer Paprika mit Kartoffelgratin. Ein Gedicht!



























Unser nächster und vorletzter Stopp in Peru war Puno am Titicaca See, welcher als Geburtsstätte der Inka-Kultur gilt. Er liegt auf 3812m und gilt somit als höchstgelegener schiffbarer See der Welt. Außerdem ist er 15-mal so groß wie der Bodensee und damit fast so groß wie Korsika 😯 Ganz spontan buchten wir für den Nachmittag noch eine Tour zu den Chullpas von Sillustani. Das sind interessant gebaute Mausoleen von diversen Kulturen und Epochen. Die Leichname von Königen und anderen illustren Persönlichkeiten wurden in den zylindrischen Gebäuden aus perfekt gehauenen und polierten Steinblöcken bestattet.
Am Sonntagmorgen wurden wir vor dem Hotel abgeholt und zum Hafen gebracht, denn wir hatten eine zweitägige Tour auf dem Titicaca-See mit Übernachtung bei einer Familie auf der Insel Amantani gebucht. Mit dem langsamsten Boot auf der Welt schipperten wir zuerst zu den schwimmenden Inseln der Uros. Für dieses Volk bildet das Schilf des Sees die Lebensgrundlage, aus dem sie die Inseln und Unterkünfte bauen, ja sogar essen kann man es. Strom gibt es logischerweise keinen auf den winzigen Inseln, die am Grund verankert werden, um nicht vom Wind abgetrieben zu werden. Früher war der Fischfang für die Uros die wichtigste Einnahmequelle, aber heutzutage leben sie quasi nur noch vom Tourismus. Als wir dann an eine nur etwa 30×30 Meter große Insel mit 6 aus Schilfrohr gebauten Hütten andockten, fühlten wir uns zwei Jahrhunderte zurückversetzt. Der Inselälteste demonstrierte uns eindrucksvoll an einem Modell, wie die Inseln aufgebaut werden. Es muss ein sehr beengendes Leben sein auf diesen Mini-Inseln… aber viele Uro-Familien leben heute auf dem Festland und pendeln mit Booten hin und her.
Nach einer kurzen Bootsfahrt mit einem traditionellen Schilfboot ging es weiter zur Insel Amanti, auf der wir dann übernachteten. Hier wird wieder Quechua gesprochen, aber in der Schule lernen sie Spanisch. Auch hier scheint das Leben stehengeblieben zu sein, alle Bewohner tragen noch ihre Tracht und die meisten Häuser bestehen aus einfachen, selbstgebrannten Ziegeln. Wir hatten eine der modernsten Unterkünfte, ein einfaches Privatzimmer und das Klo hatte sogar fließend Wasser. Die Verpflegung war rein vegetarisch, was uns aber nicht störte, da wir sowieso sehr fleischlastig reisen. Es gab immer eine Suppe, entweder aus Maisgries oder Quinoa und dann Kartoffeln und Gemüse mit Reis. Abends wurden dann alle Touristen auf der Insel in ein traditionelles Gewand gesteckt und zum Tanzen aufgefordert 😂
Am Montag ging es mit unserem “Slow-Boat” noch zur Insel Taquile. Das Wetter war herrlich und wir genossen den Spaziergang quer über die Insel in vollen Zügen. Es war so idyllisch und friedvoll, nur etwa 1700 Bewohner hat das saubere Taquile zu verzeichnen. An den Farben der Hüte bzw. Zipfelkappen erkennt man den Status innerhalb der Gemeinschaft. Wer einen schwarzen Hut trägt, ist Vorstand einer Gemeinde. Eine rote Kappe zum Beispiel bedeutet verheiratet zu sein. Spinnen, Sticken und Stricken scheinen die Hauptbeschäftigungen zu sein, so ziemlich jede Frau hält eine Handspindel und sogar während dem Gehen wird gesponnen. Nach einem satten Mittagessen (Forelle) ging es wieder zurück nach Puno und einer der besten Ausflüge auf unserer gesamten Reise ging zu Ende.
Unsere nächste und letzte Station unserer Reise ist Cusco, unter anderem der Ausgangspunkt für Machu Picchu. Nur noch 10 Tage bevor uns der Flieger wieder in die Heimat bringt und unsere Rauszeit zu Ende geht! Wie können jetzt schon sagen, dass wir die Nachtbusse nicht vermissen werden und wir uns sehr auf unser eigenes Bett freuen 😉













Toni
Wunderschön und mei sooooo liab……wünsche euch noch ein tolles Ende eurer Reise
Petra
Wer eine Reise tut, kann was erzählen……
Toll, was ihr alles erlebt!
Noch ein reibungsloses, schönes Ende eurer Reise und kommt gut nach Hause!
FREUEN UNS SCHON SEHR!!!