Nach dem Kifferdorf-Erlebnis ging es für uns zur Gold Coast, die ihrem Namen alle Ehre macht. Der Gegensatz könnte nicht größer sein – die Wolkenkratzer türmen sich hier direkt neben einem endlos langen, perfekten Mehl-Sandstrand auf. Auch wenn wir Miami in den USA nur aus dem Fernsehen kennen, hier schaut es genau so aus! An der Promenade joggen nur Muskelpakete mit nacktem Oberkörper und man sieht haufenweise perfekt gestylte Modepüppchen mit abstoßenden Schlauchbootlippen. Wir fragen uns zum wiederholten Male, wie man so etwas Unnatürliches nur schön finden kann, aber wir sind halt auch zwei Landeier und ticken da einfach anders.

Auch der Temperaturunterschied zu den besuchten Gegenden der letzten Tage war wieder extrem, wir brauchten auf einmal wieder kurze Hose und Flip-Flops. Ich konnte nicht widerstehen und musste mich dann doch in die perfekten Surfwellen stürzen (angenehme 23°C Wassertemperatur), Romana wollte von Wellen noch nichts wissen…

Wir fanden es ziemlich witzig, dass der Sand laut quietschte, wenn man darauf schneller ging, das haben wir bis jetzt auch noch nicht erlebt, obwohl wir jetzt schon an Unmengen von Stränden waren. Aber seht (und hört) selbst:

Quietschsand!

Nachmittags fuhren wir dann noch drei Stunden weiter nordwärts, wo wir am nächsten Tag dann eine riesige Sanddüne namens Carlo Sand Blow am Rainbow Beach anschauten. Der Strand selbst ist auch sehenswert, denn die farbigen Gesteinsschichten verliehen ihm den Namen. Danach fuhren wir nach Noosa, wo wir die letzten beiden Nächte an der Ostküste verbrachten. Noosa ist eine sehr schöne Gegend, leider halt sehr beliebt bei Touristen und auch den Australiern selbst und somit ziemlich überlaufen.

Am 29. Mai gaben wir dann unseren Mietvan in Brisbane zurück, nachdem wir ihn nochmal innen und außen halbwegs sauber gemacht hatten. Wir waren dann viel zu früh am Flughafen, was uns aber eh gelegen kam, denn wir hatten noch überhaupt keinen konkreten Plan für die nächsten Tage. Ursprünglich wollten wir dann von Perth den Südwesten Australiens in einer Runde bereisen, wie es schon Romanas Schwester vor einigen Jahren gemacht hat. Aufgrund der Jahreszeit und einiger cooler Reiseberichte, die wir im Internet fanden, entschlossen wir uns dann ganz spontan dazu, von Perth Richtung Norden zu fahren so weit wir kommen. Die sogenannte “Coral Coast” erstreckt sich in über 1100 km von Cervantes bis nach Exmouth, wo es bereits ganzjährig tropisch ist.

Der fünfstündige Flug bis nach Perth quer über Australien verging leider nicht wie Flug… noch dazu hatten wir immer wieder kleinere Turbulenzen. Da wir erst spät abends ankamen, verbrachten wir die erste Nacht im “Wilden Westen” in einem Airbnb in der Nähe des Flughafens. Das nette vietnamesische Gastgeberpärchen gab uns sogar noch einige Reisetipps mit auf dem Weg, bevor wir zur Vermieterfirma unseres Campervans gingen. Diesmal haben wir einen Toyota Hiace mit Rooftop, d.h. man kann sogar drinnen kochen. Der Camper kostet uns etwa 87€ pro Tag, aber wie auch schon an der Ostküste kommen noch Kosten für Campingplätze, Sprit, Lebensmittel und Nationalparkgebühren hinzu. Alles in Allem kein billiger Spaß, aber immer noch günstiger als mit einem kleinen Mietauto von Unterkunft zu Unterkunft zu ziehen.

Der erste Stopp mit unserem neuen Gefährt war in Lancelin, wo es weiße Sanddünen gibt, von denen man mit einem Brett runterrutschen kann. Da wir das aber in Neuseeland schon gemacht haben und die Dünen nicht super-spektakulär waren, fuhren wir bald weiter. Dafür war die Pinnacles Desert dann ziemlich gut, eine Wüstenlandschaft, aus der massenhaft meterhohe Sandstein-Zacken herausragen. Wir übernachteten auf einem Campingplatz in Cervantes, welcher mit 48$ (30€) noch zu den normalpreisigen gehört. Teilweise sind die Preise schon unverschämt hoch, dafür, dass die Einrichtungen oft veraltet sind. Ein weiteres Highlight an diesem Tag war dann ein wildes Emu direkt neben der Straße. Die Riesenvögel sind recht verbreitet hier, wie man auch an den vielen Warnschildern auf der Straße erkennen kann.

Nach dem Frühstück fuhren wir zum Lake Thetis, an dessen Rand sogenannte Stromatolithen zu finden sind. Diese Bakterien-Gebilde reißen einem vom Äußerlichen nicht gerade vom Hocker, sie schauen aus wie Steine oder kleine Mini-Vulkankrater im Wasser. Für die Forschung allerdings sind sie außerordentlich interessant, da sie doch eine der ältesten Lebensformen der Erde darstellen und es nicht viele Plätze gibt, wo man Stromatolithen finden kann.
Nach mehreren Stopps an Aussichtspunkten an der Küste war dann die letzte Station am Freitag die einzige Stadt an der Coral Coast, Geraldton. Hier sahen wir uns ein aufwändig gestaltetes Kriegsdenkmal an und zum Sonnenuntergang ein tolles Kunstwerk mit einer großen Glaskugel („The Big Marble“), in der sich die Welt horizontal spiegelt.

Die Landschaft hier in Western Australia ist so richtig wild, bis zum Horizont so weit das Auge reicht, nur Australischer Busch auf rotem, trockenem Boden. Nur alle hundert Kilometer eine kleine, ausgestorben wirkende Siedlung, Stunden um Stunden fährt man auf der ewig langen, geraden Straße. Gerade habe ich gelesen, dass die Australische Wüste nach der Antarktis, Arktis und Sahara die viertgrößte Wüste auf unserem Planeten ist. Außerdem ist Australien der trockenste bewohnte Kontinent. Wir beide könnten uns ein Leben hier einfach nicht vorstellen.

Die nächste Sehenswürdigkeit,
der pinke See in Port Gregory, war dann am nächsten Tag eine gute Stunde weiter. Algen und Bakterien färben den Salzsee rötlich, manchmal sogar richtig pink!
Weiter ging es in den Kalbarri Nationalpark. Auch hier muss man Eintritt von 17$ zahlen, außer man reist mit dem Fahrrad oder zu Fuß an. Das machen aber nur Verrückte, im Sommer kann es bis zu 50°C heiß werden und es wird 1 Liter Trinkwasser pro Stunde empfohlen. Jetzt im australischen Winter hat unser Auto 29°C angezeigt, was auch leicht reichte! Die Sehenswürdigkeiten im Nationalpark liegen aber immer fast direkt neben den Parkplätzen oder in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Zwei neu gebaute Skywalks und ein Naturstein-Fenster locken viele andere Touristen hierher. Die Fliegen hier sind eine absolute Plage, sie scheinen es speziell auf das Gesicht abgesehen zu haben. Der Verkaufsschlager beim Café ist das Insektennetz für den Kopf.

Unser Tank war noch halb voll, als wir am Nachmittag losfuhren. Wir wollten vor Dunkelheit beim berühmten Billabong Roadhouse ankommen, denn speziell in der Dämmerung sind die Kängurus eine große Gefahr auf der Straße. Es ging sich mit dem Sprit dann noch gerade aus, aber man muss hier schon wirklich gut planen und kann nicht einfach drauf los fahren. Mobilfunkempfang gibt es nur in den Ortschaften, die hunderte Kilometer auseinander liegen.
Beim Billabong Roadhouse, das es seit 1962 gibt und so richtig Vintage-Stil hat, darf man gratis über Nacht stehen bleiben und sogar duschen gehen. Im Restaurant der Tankstelle aßen wir dann Chicken Parmi, neben Burger eines der wenigen Gerichte in der Küche der Australier.

In der Nacht regnete es dann stark und als ich am Morgen aus dem Fenster schaute, sah ich riesige Lacken direkt neben und unter unserem Auto. „Shit… Hoffentlich kommen wir da noch raus“ war mein erster Gedanke. Dem war dann natürlich nicht so und das linke Vorderrad versank sofort im Schlamm. Keine Chance, da ohne fremde Hilfe wieder rauszukommen, es ist ja kein Allrader. Wir fragten dann einen anderen Camper um Hilfe, die meisten sind ja Australier mit überdimensionierten Offroad-Jeeps und Outback-geprüften Luxus-Wohnwägen und haben allerhand Gerät zum Befreien von steckengebliebenen Fahrzeugen dabei. Der ältere Mann konnte uns dann leider aber auch nach mehreren Versuchen nicht helfen. Ich ging in die Tankstelle um weiteren Rat einzuholen, dort wurde ich sogleich an Greg verwiesen. Greg machte mir sofort den Eindruck, dass er gut anpacken kann und weiß was er tut. Ich erklärte ihm, dass es wohl eine dumme Idee gewesen wäre soweit hinten zu parken bei dieser Wettervorhersage. Greg meinte ganz cool: „It is, what it is. Relax and get a coffee“. Er holte zwei Plastik-Noppenbretter, die genau für solche Fälle gemacht wurden und wir schaufelten das Vorderrad frei. Aber auch das war zu wenig, trotz schieben gingen die Räder immer durch und konnten auf den Brettern keinen Grip finden, das Reifenprofil war komplett zu mit Schlamm. Eine Idee hätte er noch, sagte Greg und verschwand. Ich holte uns inzwischen einen Kaffee und nach 15 Minuten kam er dann angefahren mit einem Bobcat (ein kleiner Radlader). Er befestigte einen Spanngurt am Auto und dann versuchten wir unser versunkenes Schiff aus dem Schlamm zu ziehen. Irgendwann schafften wir es dann Gott sei Dank, ich dachte schon, wir müssten warten bis der Boden wieder ausgetrocknet ist 😂 Sogar Greg hat gesagt, dass er für einen Moment glaubte es nicht zu schaffen. Wir gaben ihm eine Kleinigkeit für seine Mühen und zogen dann Richtung Shark Bay weiter.

Ein cooler Stop war beim Shell Beach, ein 40 km langer Küstenabschnitt an einer hyper-salzigen Lagune. Dort ist das Wasser fast doppelt so salzig wie auf offenem Meer und nur wenige Arten können hier überleben – unter anderem eben die winzige Herzmuschel. Der gesamte Strand besteht nur aus diesen Muscheln, die Schicht ist teilweise bis zu 10m dick!

Der Hauptgrund warum wir aber den 350 Kilometer langen Umweg in die Shark Bay gemacht haben liegt bei den Delphinen, die jeden Tag freiwillig an den Strand in Monkey Mia kommen. Dort bekommen sie ein paar Fische von den Nationalpark-Rangern, aber weniger als 10% ihres Tagesbedarfs, um die Tiere nicht vom Mensch abhängig zu machen. Die Fütterung lockt um 07:45 nicht nur die Delphine an, sondern auch 200 Touristen. Aber es war schon ein tolles Erlebnis, Delphine in ihrer natürlichen Umgebung nur ein paar Meter entfernt beobachten zu können. Eigentlich wurden WIR von den Delphinen beobachtet, immer wieder drehte sich einer seitlich und musterte die Menschenmenge, die knöcheltief im Wasser stand.

Die Delphine bei Monkey Mia

Nach diesem Spektakel fuhren wir nach Carnarvon weiter. Hier sahen wir in der Ortschaft zum ersten Mal Aborigines, also indigene Einwohner Australiens. Ähnlich wie in Neuseeland die Maori haben auch hier die Ureinwohner große Probleme, mit der modernen Welt klarzukommen. So zumindest habe ich das gehört und nachgelesen, einen interessanten Artikel dazu findet ihr hier.

Das erste Mal auf Reisen machen sich Ermüdungserscheinungen breit, es ist einfach so viel zum Organisieren (Sehenswürdigkeiten, Tagesetappen, Campingplätze buchen, Blog schreiben, Fotos sortieren, …) , gleichzeitig müssen wir so viele Kilometer fahren und die Tage sind kurz. Unser Reisetempo hier in Australien ist einfach zu hoch, aber die 4 Wochen wollen wir halt einhalten, um Indonesien noch die vollen 30 Tage des Visums mit weniger Stress genießen zu können. Wir wollen uns natürlich nicht beschweren, selber ausgesucht… es soll nur den Unterschied zwischen Urlaub und Langzeit-Reisen deutlich machen!