Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht – einen ganzen Monat waren wir jetzt zuhause und haben Familie und Freunde besucht, gefeiert, geschlafen und gegessen was das Zeug hält. Mittlerweile sind wir gut in der Karibik angekommen, genauer gesagt auf Curaçao, dem “C” der ABC-Inseln. Curaçao gehört wie Aruba und Bonaire zum Königreich der Niederlande, die niederländischen oder kleinen Antillen sind allerdings nicht Teil der EU und haben ihre eigenen Währungen. Warum wir überhaupt hier gelandet sind, erfährt ihr gleich nachdem wir in Kurzfassung unsere Erlebnisse im Heimaturlaub Nummer 2 geschildert haben.

Am 20. Juli fand die Hochzeit meiner Schwester Andrea statt, bei der ich sogar Trauzeuge sein durfte. Sowohl die standesamtliche, als auch die freie Trauung waren sehr schön gestaltet und die anschließende Feier auf einer Alm im Brixental war sehr gelungen!

Die darauffolgenden Tage trafen wir uns mit Freunden, wanderten auf unserer “Hausberg”, halfen bei Romanas Schwester aus und taten auch einfach mal nichts. Meine große Leidenschaft, das Canyoning, durfte logischerweise auch nicht zu kurz kommen und ich ging mit Freunden mehrere tolle Touren in der Umgebung. Am 30. Juli machten wir einen Familienausflug ins Zillertal, denn Romanas Oma hatte ihren 97. Geburtstag!

Jetzt waren wir schon über zwei Wochen daheim, hatten aber immer noch überhaupt keinen Plan, wie es mit uns weitergeht. Es war ein ziemlich komisches Gefühl, so komplett ziellos zu sein und keine Perspektive für die nähere Zukunft zu haben. Ja fast in ein “Loch” sind wir beide gefallen, was sich auch manchmal auf die Laune schlug. Eine Entscheidung musste her – sollen wir unsere Reise überhaupt noch fortsetzen? Wenn ja, wohin? Auf unserer “Liste” sind ja noch Mexiko, Guatemala, Peru, Bolivien und Costa Rica. Wir entschieden uns, mit der Weltreise weiterzumachen und bis spätestens Mitte Dezember endgültig wieder heimzukehren. Weiters entschieden wir, dass wir gerne im September beim 5-tägigen Jubiläumstraining unserer Karatedo-Richtung “Doshinkan” in Mexiko dabei sein wollen. Mit einem mehrtägigen Karatedo-Training hat unsere Weltreise ja im Oktober begonnen, nämlich auf Okinawa in Japan, dem Ursprung des Karate.

Somit war zumindest mal fix, dass es für uns nach Mexiko geht. Die Suche nach günstigen Flügen dorthin gestaltete sich als frustrierend, denn günstig war da gar nix. 1200€ und aufwärts, meistens über Madrid oder Frankfurt als Zwischenstopp. Deshalb überlegten wir, wieder irgendwo einen geplanten Stop-Over zu machen und so evtl. günstigere Flüge über den Atlantik zu finden. Bei Andreas Hochzeit hatten wir eine gute Unterhaltung mit einem sympathischen Paar aus der Dominikanischen Republik… warum nicht etwas Karibik-Urlaub einbauen, dachten wir uns? Der einzige (aber gravierende) Nachteil wäre, dass im Großteil der Karibik von Juli bis Oktober Hurricane-Saison ist. Wenn man Pech hat, kann man da schon eine böse Überraschung erleben… Die Flüge in die DomRep oder nach Kuba waren zwar etwas billiger als die nach Mexiko direkt, aber so ganz optimal war das auch alles nicht.

Romana fand dann heraus, dass die ABC-Inseln, die ebenfalls in der Karibik sind, außerhalb des sogenannten Hurricane-Gürtels liegen. Eine Flugsuche mit Skyscanner und Google Flights spuckte dann sehr billige Flüge nach Curaçao über Amsterdam aus, das klang doch schon vielversprechend! Von Curaçao nach Mexiko gibt’s keine Direktflüge, die gehen alle über Bogotá, fand ich heraus. Die Hauptstadt von Kolumbien schein überhaupt eine Drehscheibe für Flüge nach ganz Lateinamerika zu sein. OK, Kolumbien war auch schon mal hoch im Kurs, fiel aber dann wieder aus unserer “Liste” heraus. Vielleicht sollten wir es, wie schon Australien, einfach spontan mitaufnehmen?

Gesagt, getan: Für nur 285€ pro Person buchten wir bei der holländischen TUI-fly Webseite den Transatlantik-Flug, der uns am 16. August zur Karibik-Insel Curaçao bringen sollte. Nach Amsterdam gab es die Option von Innsbruck aus zu fliegen oder mit dem Zug zu fahren. Wir fanden dann einen ÖBB Nightjet, der nur 75€ für einen Sitzplatz im Abteil kostete (ein Bett im Schlafwagen wäre mehr als doppelt so teuer gewesen).

Bis zum Start unserer dritten Etappe verbrachten wir noch schöne (und heiße) Sommertage bei uns in Tirol. Am 10. August war dann schon die nächste Feier, die 30er Party von Andrea. Motto: Zirkus 🙈 Als Reifen-Akrobatin und Zauberer gaben wir unser Bestes 😂

Da wir ja vorhaben noch dieses Jahr heimzukehren, machte ich mir schon Gedanken über eine zukünftige Arbeitsstelle. Ich erstellte mir einen Linked-In Account, was heutzutage für berufliche Kontakte und Networking die Standard-Plattform ist. Und siehe da, es dauerte nicht lange, bis die ersten Nachrichten von ehemaligen Kollegen und sonstigen Headhuntern eintrudelten. Ein guter Kollege aus der HTL vermittelte dann ganz spontan noch für den Vortag unserer Abreise ein Bewerbungsgespräch 👍 Da ich seit 14 Jahren kein richtiges  Bewerbungsgespräch mehr hatte, war ich dann doch recht nervös… Das Gespräch lief aber ganz gut, denke ich. Die Entscheidung, ob ich im Jänner dann bei VAHLE anfange oder nicht, wird mir nächste Woche mitgetteilt, ich bin gespannt und werde berichten!

Zum Abschied luden Romana und ich, wie schon beim ersten Heimaturlaub, unsere Familien ins China-Restaurant des Vertrauens ein. Nach bereits drei emotionalen Verabschiedungen reicht es dann wohl allen 😂

Die Zugfahrt von Jenbach nach Amsterdam dauerte gut 13 Stunden und war leider etwas ungemütlich, da wir zu fünft im Abteil waren. Zumindest konnten wir die Sitze soweit ausfahren, dass eine Liegefläche entstand, aber gut schlafen konnten wir aufgrund der beengten Verhältnisse nicht, obwohl es im Vergleich zu einem Flug extrem ruhig war! Gejammert wird nicht, selbst ausgesucht!

In Amsterdam stillten wir zuerst unseren Hunger mit den holländischen Fast-Food-Spezialitäten “Bitterballen” und “Frikandel”, bevor wir ins Kuriositätenmuseum “Believe it or not” gingen. Im bekannten Coffeeshop “Abraxas” tranken wir dann doch nur eine Limonade, über die “Space Cookies” trauten wir uns nicht drüber 😉

Danach fuhren wir zum hippen Volkshotel, das früher eine Zeitungsdruckerei war, um in unsere “Schlafkabine” einzuchecken. Super war, dass man am Dach des Hotels in der Sauna und in Hot Tubs, also Wannen mit heißem Wasser, entspannen konnte. Abends schlenderten wir noch durchs berühmte Rotlichtviertel. Die hinter Glastüren tanzenden Frauen, die auf Kundschaft hoffen, ließen vor allem Romana etwas verwundert werden, ich war ja schon bereits in Amsterdam gewesen.

Am nächsten Tag spazierten wir gemütlich durch den Vondel-Park und besuchten die riesige öffentliche Bibliothek, in der wir noch ein paar Tipps in Reiseführern zu Kolumbien lasen. Am Nachmittag ließen wir uns für 75 Minuten mit einem luxuriösen Boot durch die Grachten kutschieren – allerdings mit Käse- und All-you-can-drink Weinbegleitung. Wie die anderen Passagiere auch tranken wir mit einer mindestens doppelt so hohen Geschwindigkeit als normal, und nach einer Stunde waren wir dann alle ziemlich beschwippst. Im Anschluss schleppte uns dann ein schräges, englisches Pärchen mit in mehrere Bars… ein würdiger (und feuchtfröhlicher) Abschluss für Amsterdam! 🙂