raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

Oh my Buddha!

Im von Bergen umgebenen Nong Khiaw angekommen, gingen wir ins erstbeste Restaurant, und wurden wieder einmal nicht enttäuscht. „Mr. Wan“ servierte uns riesige Portionen und erklärte uns, dass das Lokal erst vor einem Monat eröffnet wurde und wie dankbar er für jeden Kunden ist. Seine Mama kocht und seine Schwester wäscht ab. Dass die ganze Familie zusammenhilft und im gleichen Betrieb arbeitet, ist hier in Laos fast überall so. Danach ging es ins Guesthouse, das wir über booking.com gebucht hatten, hier in den abgelegenen Orten sind aber längst noch nicht alle Unterkünfte online buchbar. Dort empfingen uns nur die Kinder, welche uns auch „eincheckten“ und das Zimmer zeigten.

Am nächsten Tag hatten wir uns einmal nichts vorgenommen. Gemütliches Frühstücken und durch das Dorf durchbummeln war die Devise und wir wurden, kaum dass wir aus unserer Unterkunft herauskamen, sogleich von den schon stark angetrunkenen Männern aus der Nachbarschaft eingeladen und herangewunken, ein Bier mit ihnen zu trinken… Wer kann da nein sagen?

Von dieser hochdekorierten Runde erfuhren wir auch, dass es nicht „Oh my God!“, sondern richtigerweise „Oh my Buddha!“ heißt, was uns sehr amüsierte! Sie feierten am 2. Jänner immer noch Neujahr, obwohl es eigentlich gar nicht das laotische Neujahr (April) ist! Irgendwann konnten wir uns doch losreißen, aber es dauerte nicht lange und ein Niederösterreicher auf dem Motorrad sprach uns an, da er endlich mal Österreicher am Dialekt erkannte. Mit diesem lustigen Kerl quatschten wir auch wieder eine kleine Ewigkeit und der Tag war schon halb vorbei. Generell sind in Nong Khiaw sehr viele Backpacker und auch abenteuerlustige Rentner anzutreffen. Wir informierten uns über Trekking-Touren in der Gegend, denn eigentlich wollten wir, wie so viele auch, nach Muang Ngoy, das bis vor wenigen Jahren nur mit dem Boot erreichbar war. Leider ist der Wasserpegel des Nam Ou Flusses aktuell zu niedrig, um mit den Booten befahren zu werden. Der Staudamm weiter flussaufwärts ist wirklich ein Problem für die lokale Bevölkerung, da der Fluss die weitaus schnellste und angenehmste Art der Transportierung von Menschen und Gütern ist, die Straße ist jetzt in der Trockenzeit extrem staubig. 

Wir entschieden uns für eine 2-Tages-Tour mit Übernachtung in einem kleinen Dorf, was uns insgesamt nur 80 US$ kostete, inklusive Essen, Guide, Boot und Kayaking. Unsere Gruppe bestand aus einem Amerikaner, einer Polin, einem Israeli und uns beiden, also wirklich ein wild zusammengewürfelter Haufen. Um 08:30 ging es los und wir wurden ein paar Minuten mit dem Auto zum Start der Wanderung gefahren. Nach ca. 2 Stunden entspanntem Wandern erreichten wir ein kleines Dorf namens Ban Na Louang, in dem die Ethnien Hmong und Lao Loum friedlich zusammenleben. Wir aßen dort zu Mittag Kleb-Reis, Bambussalat, Kürbis und Eier-Omelette. Danach hatten wir eine dreistündige, teilweise steile Dschungelwanderung vor uns, bevor wir das Dorf Houay Hoy erreichten, in dem wir übernachteten. Die einzigen Tiere, die wir sahen, waren unzählige Trichternetzspinnen neben dem Weg und haufenweise Wasserbüffel und Kühe, die wie eine Mischung aus Rind und Schwein aussahen. Nachdem wir unser Tagesziel erreichten, kühlten wir uns erstmal im Fluss ab, bevor wir beide durch das Dorf spazierten, in dem sogar zusätzlich zu Hmong und Laoten noch die Khmu-Minderheit vertreten ist. Die Zeit ist hier stehengeblieben, ein Leben wie bei uns vor 80 Jahren oder so. Zumindest Strom gibt es schon. Zwei supersüße kleine Mädchen nehmen uns bei der Hand und wollen mit uns spielen, wir sind erstaunt wie fest sie zupacken!  Wir wirbeln sie ein paar mal durch die Luft, was ihnen so gut gefällt, dass sie gar nicht mehr aufhören wollen. Unsere Unterkunft ist eine riesige Bambus-Hütte mit etwa 10 Einzel- und Doppelbetten. Der „Waschraum“ ist mehr ein Abort, und obwohl bereits eine Dusche installiert ist, gibt es noch kein fließend Wasser. Egal, für eine Nacht kann man schon mal auf gewohnten Komfort verzichten. Das Abendessen verlief ziemlich lustig, speziell nachdem der Gastgeber mehrmals „Happy-Water“, also selbstgebrannter Reisschnaps, ausschenkt. Aber auch interessante Gespräche zwischen den so verschiedenen Gruppenmitgliedern entstanden. Brian z.B. war Inhaber eines großen Altenpflege-Unternehmens in Amerika, welches er verkaufte und nun reich sein dürfte, da er seit Jahren alle möglichen Länder auf der Welt bereist.

Die Nacht war bis 3 oder 4 Uhr OK, dann ging das Kickerickiiie von 100 Hähnen direkt neben und unter der Hütte los, und die Wände haben absolut Null Schallisolation. Nach dem Frühstück (Reis, Kürbis, Ei) begann die Bootsfahrt Richtung Muang Ngoy, da der Wasserstand anscheinend heute ausreichen sollte. Dem war nicht so, denn wir saßen auf und mussten mehrmals aussteigen und das Boot durch Untiefen schieben. In Muang Ngoy hatten wir eigentlich nur eine kurze Wanderung auf einen Aussichtspunkt und in eine kurze Höhle. Der Guide konnte leider nur sehr spärlich Englisch, deshalb mussten wir uns viel Information selbst beschaffen. Flussabwärts machte dann der Motor schlapp und wir mussten die letzten 500 Meter paddeln, zum Glück waren schon die Paddel für die Kayaks an Bord. Nach einem Wasserfallbesuch ging es mit 2 kleineren Booten weiter flussabwärts Richtung Nong Khiaw, und die letzte Strecke legten wir per Kayak zurück. Zusammenfassend war die Tour das Geld schon wert, wenn der Guide noch besser erklären könnte, wäre es schön.

Die Rückreise per Minivan nach Luang Prabang war schon wieder spannend, denn nach einer Stunde ging schon wieder der Motor kaputt und ließ sich nicht mehr starten. Zum Glück war gleich eine Werkstatt in der Nähe, und wir staunten nicht schlecht, als wir nach nicht mal 2 Stunden wieder in die Klapperkiste einstiegen und die Fahrt fortsetzten. Keine Ahnung, wie sie das repariert haben, wir dachten, es kommt ein Ersatzauto. 

Unser Plan ist es, irgendwie in den Süden von Laos zu kommen und wenn möglich, nicht auf der selben Strecke zurück nach Vientiane. Der neue Zug von Luang Prabang bis Vientiane wäre zwar super schnell, aber alle spitzen Gegenstände wie Messer, Nagelzwicker, usw. werden einem abgenommen, keiner weiß so recht warum. Nach dem Tipp vom niederösterreichischen Biker entschlossen wir uns, den Weg über Phonsavan zu nehmen, da dort die Plain of Jars (Ebene der Steinkrüge) ist. Das sind Ansammlungen von riesigen Steinkrügen, die, wie man vermutet, zu Bestattungszwecken in der Eisenzeit zw. 500 vor und 500 nach Christus erschaffen wurden. Wieder mal ein vollgestopfter Minivan brachte uns in satten 9 Stunden durch staubige Bergstraßen nach Phonsavan. Wir hatten diesmal wenigstens keine Panne, dafür „grillte“ uns die Klimaanlage unsere Füße durch irgendeine Fehlfunktion. In dem für 15 Personen zugelassenem Fahrzeug wurden wieder 22 reingepfercht, aber bei wem will man sich darüber aufregen?

Phonsavan wurde gestern von uns wieder mit dem Roller erkundet. Hier ist es endlich wieder sehr untouristisch, mit dem Nachteil, dass in den Restaurants kein Englisch mehr gesprochen wird. Aber mit Händen und Füßen gestikulierend bekommt man schon was zu essen, und die vietnamesisch angehauchten Suppen schmecken ausgezeichnet! Es gibt viele Plätze, an denen die Megalith-Steinkrüge gehäuft zu finden sind, die meisten davon sind aber für Touristen nicht zugänglich, da in dieser Provinz noch extrem viele Blindgänger (UXO) vom Secret War der Amerikaner verstreut sind. Jemals schon vom Geheimen Krieg in Laos gehört? Wir auch nicht! In der Zeit zwischen 1964 und 1973 wurden nachweislich 2 Millionen Tonnen Bomben über Laos und Vietnam abgeworfen, man geht davon aus, dass das mehr ist als während dem gesamten 2. Weltkrieg über ganz Europa. 30% davon waren Blindgänger und deshalb auch heute noch gefährlich. Kinder halten die tennisballgroßen „Bombies“, wie sie von den Laoten genannt werden, oft für Spielzeug. Bauern bringen die UXOs bei der Feldarbeit zur Detonation. Feuerstellen im Freien lassen darunterliegende Streumunition explodieren. Einfach nur schrecklich!

Wir besuchten die beeindruckenden Plain of Jar Sites 1 und 3 und fuhren danach noch zum Bomb-Spoon-Village. In diesem Dorf werden unscharfe Munitions- und Bombenteile eingeschmolzen und hauptsächlich zu Aluminium-Löffeln verarbeitet. Zufällig war gerade ein Fernsehteam vom Lao National TV da, und wir wurden wieder mal interviewt, wie uns das Land gefällt und was wir angeschaut haben… Danach schauten wir uns noch die Ausstellung der MAG (Mine Advisory Group) an, wo wir die detaillierten Informationen über die Streubomben und deren Entschärfung, sowie der Aufklärung der Bevölkerung bekamen.

Die nächsten Tage wollen wir nach Thakhek, um dort einen mehrtägigen bekannten Motorrad-Loop zu fahren. Glücklicherweise gibt es von Phonsavanh einen Bus Richtung Süden, nach Pakxan, ohne den langen Umweg über die Hauptstadt zu nehmen. In diesem Bus, welcher sogar ein Schlafbus mit Bett ist, schreiben wir gerade diesen Beitrag, und hoffen er hat euch wieder gefallen!

Nachtrag: Wir haben in Pakxan noch einen VIP-Bus nach Thakhek bekommen, der allerdings wieder voll mit weißen Touris ist. Für uns blieben allerdings nur noch die Plastikhocker am Gang 🙈

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  1. Toni

    ….wieder mal die Spuren der amerikanischen Saubermänner…..ansonsten wie immer tolle Eindrücke- alles Gute und bleibt gesund

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