Die Ankunft bei den 4000 Islands, die ganz im Süden Laos an der Grenze zu Kambodscha liegen, gestaltete sich als Geduldsprobe. Unsere Unterkunft liegt auf der Mekong-Insel mit dem Namen „Don Khon“, was wir dem Tuk-Tuk-Fahrer auch so sagten. Als wir dann schon in die falsche Richtung losfuhren, zeigten wir dem Fahrer nochmal die Karte auf dem Smartphone, damit er ja nicht zur ähnlich klingenden Insel „Don Khong“ fährt… Er fuhr trotz unserer Einwände („Not Don Khong!“) unbeirrt weiter und wir dachten, dass er uns einfach zur etwas außerhalb gelegenen Fähr-Stelle bringt. Nach 10min Fahrt waren wir uns sicher, dass er immer die falsche Insel verstand. Wir übersetzten den Text „Don Khon“ mit dem Google-Übersetzer nach Lao, zeigten es unserem Fahrer, welcher dann lachend „Aaaahhh, Don Quuaaaan“ sagte und umdrehte 😁 Tja, wieder was gelernt: Es ist immer besser, den Laoten den Zielort in ihrer Schrift zu zeigen, da die meisten logischerweise unsere Schriftzeichen nicht lesen können und wir Vieles falsch aussprechen. Auch mit Karten auf dem Handy können die meisten nichts anfangen, oft fehlt einfach die Bildung und logisches Denken. Egal, Hauptsache wir sind zur „Fähre“ gekommen. Die Fährboote sind wieder die schmalen, kippeligen Holzdinger mit laut knatterndem Motor.
Wir entschieden uns zuerst nach Don Det zu fahren, dort ein Fahrrad auszuleihen und mit dem Fahrrad über die Brücke nach Don Khon zu radeln, da diese zwei Inseln klein genug sind um sie perfekt mit dem Rad erkunden zu können. Anscheinend gibt es hier wirklich über 4000 Inseln im Mekong, von winzig klein bis mehrere Kilometer groß. Die Fahrräder kosten 90 Cent am Tag, dafür sind es klapprige Damenräder mit qietschenden Bremsen 😅. Die Durchquerung von Det Det dauerte damit nur ca. 15min und die Landschaft beeindruckte uns wirklich sehr! Es gibt nur wenige Straßen auf den Inseln, die (einspurige) Hauptstraße ist sogar betoniert. In Don Det begegnen uns viele Hippies, teilweise mit grauselig ungepflegten Dreadlocks bis zum Boden! Hier auf den Inseln sind wohl einige für längere Zeit „hängen geblieben“ denken wir uns. Aber ja, es ist auch wirklich schön hier! Die Highlights auf Don Det und Don Khon sind sicher die Mekong-Fälle, die der Hauptgrund sind, warum der Mekong nicht durchgängig nach China schiffbar ist. Die Franzosen versuchten erfolglos Ende des 19. Jahrhunderts mit ungeheurem Aufwand die Fälle zu überwinden, es wurde sogar eine Eisenbahn auf den Inseln dafür gebaut! Die Mekong-Fälle sind mit über 10km der breiteste Wasserfall der Erde, allerdings nur etwa 20m hoch. Jetzt in der Trockenzeit sieht man viele Steine herausragen und das Wasser ist ziemlich klar, in der Regenzeit sind die Fälle aber sicher noch um einiges eindrucksvoller bei einem Vielfachen des Wasserstandes.
Nach dem Besuch des Khong Phapheng Wasserfalls radelten wir wieder zurück und kamen durch ein kleines Dorf, wo wir die allerbeste Nudelsuppe aller Zeiten aßen. Ja, das können sie wirklich unglaublich gut die laotischen Hausfrauen. Wir glauben, dass wir die ersten Touristen jemals waren, die dort gegessen haben, es ist ja sonst auch keiner so blöd und fährt bei der Mittagshitze mit dem Fahrrad von Don Khon zum Wasserfall… Nach dem Essen hatte Romana dann auf der fast leeren Hauptstraße einen Platten und wir mussten uns durchfragen bis zur nächsten Werkstatt. Gottseidank gibt es diese alle paar hundert Meter an den Straßen, da das Flicken von Patschen zum täglichen Geschäft gehört. Eine halbe Stunde später und 30000 Kip leichter (1,30€) war das Fahrrad wieder fit und wir traten weiter kräftig in die Pedale zur Unterkunft.












Leider ging es am nächsten Tag schon weiter zu unserem letzten Ziel in Laos, nach Pakse. Dort wollten wir den kleinen Pakse-Loop wieder mit dem Motorrad machen. In Pakse erfuhren wir von einem belgischen Motorradverleiher, dass man das Motorrad immer an bezahlten Parkplätzen vor den Sehenswürdigkeiten abstellen soll. Es kommt anscheinend immer wieder vor, dass auf dem Loop die Bikes gestohlen werden, speziell in ländlichen Regionen. Die Schuld liegt dann bei dem, der das Motorrad ausgeliehen hat, und der Preis hier liegt etwa bei 1500 US Dollar für einen Semi-Automatik-Roller. Wir liehen uns das Moped vom Motorradverleih „Peter Pan“. Der lustige Besitzer heißt eigentlich nur Pan, aber ein Tourist riet ihm aufgrund des Wiedererkennungswertes ein „Peter“ voranzustellen 😉
Wir statteten dem Morgenmarkt in Pakse einen Besuch ab, dort gibt es wirklich alles, von tonnenweise getrocknetem Tabak über lebendige Frösche, Aale, stinkenden Trockenfisch, Tierinnereien und extrem ekliger brauner Brühe in offenen Kübeln (irgendeine Sauce?). Es stört auch niemanden, wenn eine Verkäuferin der anderen die Zehennägel direkt über dem zu verkaufenden Gemüse schneidet. Der Pakse-Loop führt über das sogenannte Bolaven-Plateau und ist vor allem für die tollen Wasserfälle auf der Strecke bekannt. Auf dem Plateau wird viel Kaffee, Maniok und Tabak angebaut. Wir lasen im Vorhinein schon vom berüchtigten „Captain Hook“, der in einem armen Dorf einer ethnischen Minderheitsgruppe ein Homestay anbietet und ein umfassendes Wissen über Pflanzen- und Naturheilkunde haben soll. Wir kontaktierten den Captain per WhatsApp, ob er noch eine Unterkunft für uns frei hätte, und ein paar Stunden später kam dann die Zusage.
Im Dorf Kok Phoung Tai angekommen lotste uns die ballspielende Dorfjugend zum Haus von Captain Hook. Dieser heißt eigentlich nur „Huk“, aber ähnlich wie bei Peter Pan dürften kreative Touristen ihn auf die Idee gebracht haben. Alle Dorfbewohner haben nur einen Vornamen, Nachnamen gibt es nicht. Beim Haus warteten bereits viele andere etwa gleichaltrige Backpacker und ein Bambus-Pfeife rauchender kleiner Mann (Hook) empfing uns und schickte uns mit den anderen zum Sonnenuntergang zu einer Hütte etwa 15 Minuten zu Fuß entfernt. Auf dem Weg dorthin sahen wir das erste Mal Kinder, die ebenfalls schon Pfeife rauchten. Schockierend, aber wir hatten davon im Vorhinein schon im Internet gelesen. Für die Katu, wie diese ethnische Gruppe heißt, hat das (Tabak-)Pfeifenrauchen einen religiösen Grund, und Hook erklärte uns später, dass er bereits mit 3 Jahren angefangen hat. Wir waren etwas verunsichert und keiner wusste so recht, wo wir heute schlafen werden, und wie der weitere Ablauf so sein würde. Zurück im Dorf spielten wir dann mit den Kindern bis Hook uns fragte, ob wir Jagen oder Kochen mithelfen wollten. Patrick entschied sich fürs Jagen, während Romana lieber den „Kochkurs“ besuchte. Jagen bedeutete in dem Fall mit den Jungs der Familie vom Captain auf den Feldern kleine Frösche, Grashüpfer und Grillen in Plastikflaschen einzusammeln. Die Burschen, teilweise im Kindergartenalter, konnten aber auch eine Maus, eine grüne Schlange und zwei Echsen erlegen. Der Kopf der Schlange wurde abgerissen und wieder im Boden vergraben, damit der Geist der Schlange weiterlebt. Die Katu sind nämlich Animisten, d.h., sie glauben, dass alles einen guten oder bösen Geist oder eine Seele besitzt. Wird z.B. an ein Haus geklopft, entflieht der Haussegen und ein Büffel muss geopfert werden. Bedeutet also, wenn man als Tourist an eine Familienhütte klopft, ist man der Familie einen Büffel schuldig (1000-2000€!), dafür gibt es am Abend eine gute Party, meinte Hook. Zahlreiche schamanische Rituale prägen den Alltag, welche mündlich von Generation zu Generation weitergegeben werden, da es keine Schrift gibt. Die Alten haben nie eine Schule besucht und können somit auch nicht Laotisch. Frauen dürfen nur außerhalb des Dorfes am Feld gebären und müssen dann über ein Feuer steigen, um den Geist zu reinigen. Altersgrenzen gibt es keine, arrangierte Kinderhochzeiten sind normal. Polygamie ebenso – sofern man es sich leisten kann. Verhütung ist logischerweise nicht existent. Hook zeigte uns eine Bambushütte, in der 42 Familienmitglieder leben, und das in einem einzigen Raum.
Romana und andere Gäste halfen derweil das Essen zuzubereiten, es gab gegrilltes Hühnerfleisch, gekochte Nudeln und Gemüse, Klebreis und eine ausgezeichnete Erdnusssoße dazu. Danach wurde die von uns erlegte „Beute“ verspeist, also die knusprig gebratenen Frösche und Insekten. Die Schlange wurde gegrillt. Romana ließ diese Nachspeise aus, aber ich fand den Großteil nicht schlecht, nur die Maus oder Ratte ließ ich auch aus. Die erwachsenen Jäger im Dorf jagen auch Leoparden, Hirsche und riesige tödliche Giftschlangen. Gegessen wird ALLES, außer Menschenfleisch, berichtet Hook. Dieser hat sich übrigens Englisch selbst beigebracht, nur durch den Kontakt mit vielen Touristen. Er kann aber auch viele Phrasen in Deutsch, Französisch, Spanisch… Unfassbar. Allein an diesem Abend erfuhren wir so viel Interessantes über die Katu, dass es unmöglich ist, dies alles in einem Beitrag unterzubringen.
Wir waren dann doch ziemlich müde, als es um 23:00 dann endlich mit dem Traktor zu unserer Schlafstätte ging. Überraschenderweise bekamen wir beide dann sogar ein eigenes Zimmer, natürlich sehr minimalistisch, aber immerhin! Wir hatten uns schon auf den Boden mit zig anderen eingestellt 😉. Am nächsten Morgen gab es dann für die etwa 10 Gäste ein Sandwich und ultraklebrigen Reis zum Frühstück. Dazu selbstgemachten Tee und frisch gebrühten Kaffee aus der eigenen Plantage in Bambustassen. Danach startete die mehrstündige Village-Tour mit Captain Hook, wo er uns Einblicke in sein extrem umfangreiches Wissen über Pflanzen gab. Für jegliches Gebrechen zeigte er uns Blätter, Wurzeln und Früchte, sogar zum wirksamen Behandeln von Malaria. Viele aus dem Dorf sind noch nie in einem Krankenhaus oder bei einem Arzt gewesen, hier gibt es den Guru, den Schamanen und das weibliche Medium. Zwischendrin erzählte uns Hook lustige Anekdoten, wie er z.B. in den Zwiespalt kam, dass seine Familie darauf beharrte, dass die Erde flach ist, aber sein Lehrer in der Schule das Gegenteil behauptete. Oder, dass die Alten aus dem Dorf immer noch glauben, dass alle Weißen aus demselben Land kommen, nur Limonade trinken, nicht arbeiten müssen (deshalb sind sie weiß) und unendlich viel Geld zu Verfügung haben. Oder, dass man hier die genauen Geburtsdaten in unserer Zeitrechnung nicht kennt, sondern nur z.B. dass jemand bei aufgehendem Mond zur 36. Reisernte geboren wurde. Dann fing Hook mit seinem Lieblingsthema an – Kaffee. Er weiß so ziemlich alles darüber, baut viele Sorten an und machte den Fehler, mit den Vietnamesen einen Vertrag abzuschließen, die teuerste Kaffeesorte der Welt unwissend für einen Spottpreis an sie zu liefern.
Nicht einmal 24h waren wir in diesem Dorf, aber es waren so unglaublich viele Erfahrungen die wir machten, dass es nur schwer in Worte zu fassen ist. Man möchte euch, an die Leser, am liebsten alles so weitergeben, aber das ist natürlich nur begrenzt möglich. Die Freundlichkeit, die ruhige Art von Hook und seiner Frau, die Lebenslust der Kinder, all das sollte man am besten selbst erleben. Unsere anfängliche Skepsis verwandelte sich in ehrliche Bewunderung. Natürlich scheinen uns auch viele Gebräuche brutal und martialisch zu sein, aber wenn alle Menschen so naturverbunden und autark leben würden, hätten wir sicher einige Probleme weniger. So – genug philosophiert, weiter geht es mit unserem Reisebericht.


















Am Nachmittag fuhren wir noch zum Tad Yuang und zum Tad Fane Wasserfall. Beim zweiten entschlossen wir uns kurzerhand noch die Ziplines zu machen, die über die 200m tiefe Schlucht und den spektakulären Talkessel führen. Romana schrie bei der ersten Zipline, was die Lunge hergab 😂.
Gestern sind wir mit dem Bus über die Grenze nach Thailand gefahren, nach Ubon Ratchathani. Von dort ging es mit dem Nachtzug nach Ayutthaya, wo wir uns die ehemalige Königsstadt anschauen werden. Danach geht es noch für 2 Nächte nach Bangkok und dann bis 12. Februar nach Hause. Unsere weiteren Pläne folgen… Nur soviel sei gesagt: Süd-Ost-Asien ist noch nicht abgeschlossen und Kiwis sind nicht nur Früchte.
30 Tage waren wir jetzt in Laos, deshalb folgt nun wieder unsere Zusammenfassung:
Fazit Laos
Was uns gefallen hat:
- Die vielseitige Landschaft vom gebirgigen und kühlen Norden zum heißen Süden mit seinen Plateaus.
- Die Sonnenuntergänge am Mekong sind mitunter die schönsten, die wir bis jetzt gesehen haben, man braucht nicht immer ein Meer dazu.
- Das Essen schmeckte durchgängig gut, speziell die Nudelsuppen, Reisgerichte und Curries. Es gibt keine Fast-Food-Ketten, wie McDonalds oder ähnliche in ganz Laos, es wird immer frisch gekocht.
- Die günstigen Frucht-Shakes sind der Wahnsinn und viel besser als immer Cola oder Bier.
- Der Großteil der Laoten war höflich und freundlich.
- Die Einfachheit und Unbeschwertheit in den Minderheitendörfern, obwohl alle bitterarm sind.
- Die Laoten kümmern sich um dich als Ausländer, sobald man für etwas bezahlt hat. Man wartet zwar oft eine Stunde auf den Bus, aber man wird nie zurückgelassen oder vergessen – also kein Chaos in Laos!
Was uns weniger gefallen hat:
- Wieder die Müll-Problematik. Die Leute werfen alles komplett gedankenlos in die Natur oder die Flüsse. Die Kühe grasen am plastikvermüllten Straßenrand. Die Mülldeponien haben einen Gestank verbreitet, wie wir ihn noch nie zuvor gerochen hatten, als ob Kadaver monatelang in der Sonne verwesen.
- Die Währung: Die Scheine gibt es in unterschiedliche Ausführungen (alt, neu) und verschiedenen Größen. Für uns sehr schwierig beim Bezahlen, da der Wert auf einer Seite nur in Lao-Schrift abgebildet ist. Außerdem ist die Inflation momentan extrem, und der größte Schein (100.000 Kip) nur etwa 4€ wert.
- Für das Zubereiten des Frühstücks haben sie teilweise ewig gebraucht, alles wird einzeln gebracht. Wir haben manchmal über eine Stunde gebraucht.
- Die Bus-Terminals sind immer weit außerhalb der Orte, somit braucht man immer ein Tuk-Tuk.
- An einigen Plätzen konzentrieren sich wirklich sehr viele westliche Touristen.
- Die Straßen im Norden waren die weitaus schlechtesten, die wir je gesehen und befahren haben. Schlaglöcher ununterbrochen, keine Reparaturarbeiten und kriminell staubige Bergstraßen, auf denen man nur sehr langsam vorankommt.
Maria
Ganz gewaltig—- traumhaft!!!!
Liebe Grüße und bis demnächst
Maria
Stefan H
Einfach nur spannend!