raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

Von Geishas, badenden Affen und dem schönsten Berg der Welt

In Kyoto angekommen war es bereits dunkel, denn Mitte November beginnt es auch schon ab 17:00 zu Dämmern auf Japans Hauptinsel. Ausnahmsweise gab es für uns mal amerikanisches Fast-Food, nämlich bei einer bekannten Schachtelwirt-Kette. Da gab es sogar einen Double-Big-Mac mit 4-fach Fleisch 🙈

Interessanter wurde es am leicht regnerischen Morgen, wo wir uns auf dem Weg zu den 1000 Torii (Senbon Torii) machten. Eigentlich sind es schon ca. 10000 rote Tore, die man durchschreitet und die sich auf mehreren Pfaden einen Berg hinaufwinden. Nachmittags war das Wetter dann perfekt (also Regen), um im Hotelzimmer weitere Reiseplanung zu machen bzw. den Blog zu aktualisieren. Wir wollten ursprünglich als nächstes Land Laos ansteuern, aber die Suche nach der besten Route war aufwändiger und kostenintensiver als gedacht, da Vientiane (die Hauptstadt von Laos) international wenig angeflogen wird. Der Gedanke, doch ein anderes Land vorzuziehen, kam auf…

Zumindest für die nächsten Destinationen in Japan konnten wir uns an diesem Tag noch entscheiden: Die japanische Alpenregion um Nagano und die Gegend um den höchsten Berg Japans, dem Fujisan, sowie die Hauptstadt Tokio. Als Abreisetermin von Japan legten wir den 24.11. fest.

Ein Hotspot für Insta-Zombies (Instagram Bloggerinnen, die den Weg versperren, um den perfekt gestylten Schnappschuss zu erhalten) ist der Arashiyama Bambushain. Um sich noch halbwegs frei durch den Bambuswald bewegen zu können, sollte man früh am Vormittag da sein. Irgendwie war der Arashiyama eine Enttäuschung, sehr klein und halt nur ein Bambuswald… und der umliegende Park und der Blick auf das angrenzende Tal beeindruckte uns mehr.

Nachmittags meldeten wir uns, wie auch schon in Osaka, bei einer Free-Walking-Tour durch Kyoto an. Eine aufgeweckte junge Sportstudentin führte uns durch das traditionelle Zentrum Japans, das Gion Viertel. Viele haben vielleicht schon von den berühmten „Geishas“ gehört, aber unsere Führerin klärte uns auf, dass dies nur der Überbegriff ist. Eine fertig ausgebildete Geisha nennt man Geiko, und eine Geisha in Ausbildung (dauert 5-6 Jahre) heißt Maiko. Geishas sind exklusive Unterhaltungskünstlerinnen, die meistens nur sehr betuchte Leute buchen. Für bis zu umgerechnet 5000€ kann man sich von einer privaten Geiko Instrumente vorspielen lassen, Teezeremonien beiwohnen oder einfach nur eine Unterhaltung führen. In ganz Japan gibt es nur mehr etwa 300 Geishas, wobei 150 davon in Kyoto sind! Wir hatten das Glück, für ein paar Sekunden eine echte Maiko zu sehen, die auf ca. 20cm hohen Holz-Plateau-FlipFlops vor unserer Gruppe mehr oder weniger in das nächste Ausbildungs-Haus flüchtete. Leider waren wir nicht schnell genug, um ein Foto zu erhaschen. Ansonsten konnten wir noch einige der über 2000 Buddistischen Tempel und Shinto-Schreine in Kyoto bestaunen. Der älteste Tempel ist bereits 1300 Jahre alt, Wahnsinn oder?

Mit dem Nachtbus ging es in 7 Stunden von Kyoto nach Nagano, wo wir nach weiteren Zug- und Busfahrten unseren Zielort Shibu-Onsen erreichten. Auf den Bergen bereits alles voller Schnee! Unser Gepäck ließen wir beim Ryokan (japanisches Gasthaus), und machten uns auf den Weg zum „Park der badenden Affen“, oder Jigokudani auf japanisch. Dort erwartete uns ein wirklich kurioses Schauspiel: hunderte Affen, die sich rund um ein Becken gefüllt mit geothermalem Wasser um Futter stritten. Die wild lebenden (und nicht eingezäunten) Japanmakaken holen sich das verstreute Futter, die Menschen komplett ignorierend. Dabei scheuen sie sich auch nicht, das Getreide im Becken durch Schwimmen und Tauchen zu holen. Man kommt den Makaken unglaublich nahe, nur Essen sollte man keinesfalls auspacken!

Nachmittags checkten wir für eine Nacht im Ryokan ein, einmal wollten wir uns das auf alle Fälle anschauen, auch wenn es unser Backpacker-Budget bei weitem sprengte! Nach einem Empfang mit Tee und Reiskeks machten wir uns auf zu den zwei hauseigenen Onsen. Vor allem auf das Abendessen waren wir gespannt, und wir wurden nicht enttäuscht. Ganz traditionell im Yukata gekleidet (quasi ein Alltags-Kimono) genossen wir sieben Gänge und dazu natürlich Sake! In der Zwischenzeit wurden im Zimmer unsere Futonbetten ausgerollt und zum Schlafen vorbereitet.

Ganz in der Nähe von Shibu-Onsen liegt das größte Skigebiet Japans, Shiga Kogen (42 Lifte). Am nächsten Tag nahmen wir den Bus zur Hochebene, um ein bisserl zu wandern. Der Busfahrer fragte nochmal nach, ob wir wirklich da hin wollen. Ja klar! Uns erwartete ein menschenleeres Skigebiet, da die Saison noch nicht angefangen hatte, und die Wandersaison aufgrund des Schnees vorbei war. Egal, wir machten eine schöne Runde um einen See, kamen aber bereits in den Schnee und sahen sogar frische Bärenspuren! Das Wetter schlug um, und der eisige Wind trieb uns zur Bushaltestelle, um die etwas trostlose Gegend zu verlassen. Wir sahen noch einige komplett verwahrloste Ski-Hotels (Corona?). Unsere Rucksäcke wurden in der Zwischenzeit vom Ryokan in unsere nächste Unterkunft gebracht, super Service!

Der Freitag war sehr regnerisch, aber wir brauchten eh wieder Zeit zum Buchen der nächsten Flüge, denn die Entscheidung, dass es nach Tokio NICHT nach Laos geht, war gefällt. Der Samstag ging den Großteil mit dem Fahren von langsamen Lokal-Zügen und Bussen drauf, um unser nächstes Ziel, den Kawaguchi-See in der Nähe des Mount Fuji, zu erreichen. Wir wussten ja, dass es in dieser Gegend ziemlich touristisch ist, da die Unterkünfte ziemlich ausgebucht und teuer waren. Deshalb haben wir auch einen preiswerten Camper-Van für 3 Nächte gebucht, waren bei der Ankunft dann aber wenig begeistert, da es saukalt war, und es nicht mal einen beheizten Gemeinschaftsraum gab, sondern nur einen Zugigen mit einer Kerosin-Heizung. Außerdem rochen die Schlafsäcke etwas muffig, gut dass wir Mamas selbstgenähte Hüttenschlafsäcke dabei haben. Naja, irgendwie geht es schon…

Der Sonntag bestach dafür mit Traumwetter und unglaublicher Sicht auf den von vielen als schönsten Berg der Welt bezeichneten Fuji. Schönster Berg deshalb, da der 3776m hohe Vulkankegel beinahe perfekt symmetrisch ist und ewig weit ausläuft. Montag war ebenso sonnig, und wir planten eine sehr schöne Herbstwanderung, unter anderem durch den Aokigahara-Wald, der vor allem wegen seiner hohen Suizid-Anzahl als Selbstmordwald von Japan bekannt ist. Am Abend reservierten wir nach einer Empfehlung eines deutschen Paares bei einem Izakaya-Restaurant, und wurden wieder herzlichst von einer Familie bekocht. Das Beste war jedoch, dass uns nach dem Essen und einigen Sake-Fläschchen die gesamte Familie in deren Auto zu unserem Wohnmobil brachte und herzlichst verabschiedete. Das ist Gastfreundschaft!

Im nächsten Beitrag werden wir noch über Tokio berichten, und in welches Land es uns verschlagen wird!

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  1. Toni

    Tolle Eindrücke…..einige Gegenden fast wie bei uns…..gute Weiterreise 🙂 🙂

  2. Maria

    G r o s s a r t i g !
    Alles Gute weiterhin und liebe Grüße von
    Maria und Erich

  3. Stefan H

    Sehr spannend zu lesen, da fühlt man sich fast wie wär man mittendrin. Viel Spaß weiterhin!

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