…ihr denkt jetzt sicher, dass wir beim Schreiben mit dem Kopf auf der Handy-Tastatur eingeschlafen sind. Falsch gedacht! Bei diesen 85 scheinbar zufällig zusammengesetzten Buchstaben handelt es sich um den Namen eines 305 m hohen Hügels in der Sprache der Maori, also der indigenen Bevölkerung von Neuseeland. Dieser unausprechliche Ortsname schaffte es sogar ins Guinnes Buch der Rekorde aufgrund seiner Länge. Laut Wikipedia kann man ihn wie folgt übersetzen:
„Der Ort, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der Berge hinabrutschte, emporkletterte und verschluckte, bekannt als der Landfresser, seine Flöte für seine Geliebte spielte.“
Was auch immer das genau heißen mag, die Maori sind ja für ihre Geschichten berühmt, die von Generation zu Generation überliefert werden. Auch wir ließen es uns nicht entgehen, das 10 Meter lange Ortsschild abzulesen, aber zuerst noch zu unseren vorhergehenden Erlebnissen.
Wir waren uns zuerst nicht sicher, ob wir wieder bis zur Stadt Gisborne hochfahren sollten, aber dann lasen wir etwas von einer 60m langen Naturrutsche, dem „Rere Rock Slide“. Als alte Canyoning-Hasen dürfen wir uns das natürlich nicht entgehen lassen, auch wenn es einen riesigen Umweg von mehreren Stunden Autofahrt bedeutet. Gisborne selbst kann nicht wirklich auftrumpfen, vielleicht trug auch das Regenwetter und die nicht italienische Pizza im Italien-Restaurant zu unserer Empfindung bei. Selbst Schuld – soweit weg von Italien sollte man einfach ohne Erwartungen eine Pizza bestellen, oder doch lieber bei lokalen Spezialitäten wie z.B. Schnapper-Fisch oder Steak vom Neuseeland-Rind bleiben 😉
Seit wir mit unserem Van umherdüsen sind wir erst zweimal Essen gegangen, sonst haben wir immer selbst gekocht. Es gab bereits Chili con Carne, Reisfleisch, Gemüsepfanne, Tomatennudeln, Thunfischnudeln, Steak mit Gemüse, Curry, Bratkartoffeln, Pellkartoffeln und noch so einiges mehr. Zu Mittag wird manchmal gejausnet oder wir holten uns auch schon öfters Pies von einer Bäckerei, die es mit den unterschiedlichsten pikanten Füllungen wie „Pepper-Steak“ oder „Mushroom Cheese“ gibt.
Im Reiseführer-Buch erfuhren wir, dass auf dem Stadthügel eine Statue vom bedeutenden Seefahrer und Kartograph James Cook eine viel belächelte Statue stehen soll, da sie keine Ähnlichkeit mit Cook aufweist und er eine italienisch anmutende Uniform trägt. Wir konnten „The Crook Cook“ dann gar nicht finden und fanden dann heraus, dass die Statue immer schon umstritten war und 2019 nach Maori-Protesten in ein Museum verlagert wurde.
Am nächsten Tag fuhren wir dann am Vormittag die 35 km zur Rere Rock Slide und als wir ankamen waren wir komplett alleine. Irgendwie war es auch saukalt und wir hatten überhaupt keine Lust bei diesen Temperaturen ins kalte Bachwasser zu gehen… Als dann ein älteres Ehepaar ankam und er sich sogleich die Badehose anzog, kamen wir dann doch in Gruppenzwang. Jetzt konnten wir uns wenigstens zuerst bei einem anderen „Opfer“ anschauen, wie man am besten die anscheinend 60m lange Steinrutsche bewältigt – uns kam der Abschnitt eher wie nur 30 m lang vor. Der Engländer versuchte die algenbewachsene Rutsche mit einer Automatte zu bewältigen, hatte aber fast zu viel Reibung. Wir hatten uns im Vorfeld eine sehr billige Luftmatratze beim Warehouse besorgt – die beste Methode soll aber mit einem Body-Board oder Boogie-Board sein. Ich tastete mich dann schrittweise heran an das Rutschvergnügen und startete das erste Mal vom unteren Drittel. Die Luftmatratze hielt dann natürlich nicht lange und verlor dann schnell die Luft wegen einem Loch, aber immer noch besser als nur mit der Badehose zu rutschen!
Nach diesem kalten und holprigen Erlebnis (da schätzt man wieder den Neoprenanzug als Polsterung!) fuhren wir dann weiter nach Napier. Dort schlenderten wir durchs Zentrum, spielten eine Partie Minigolf und kehrten in ein Irish Pub ein, um den St. Patrick’s Day mit Bier und Cider gebührend zu feiern.
Der darauffolgende Tag startete mit einem spaßigen Besuch im Faraday Museum, da viele alte technische Dinge spielerisch und interaktiv erkundet werden können. Danach machten wir eine kurze, aber schöne Wanderung im Te Mata „Gebirge“, nur 30 Minuten von Napier entfernt. Anschließend ging es noch weiter zum Taumatawhakata….. ihr wisst schon. Das meterlange Schild ist ein beliebtes Fotomotiv bei Touristen, aber um den Hügel selbst zu besteigen, muss man leider mit dem Landbesitzer Kontakt aufnehmen, da man Privatgelände durchqueren muss, was wir dann auch nicht getan haben. Vielleicht ist euch die schwarz-rot-weiße Flagge beim Titelbild aufgefallen – das ist die offizielle Flagge der Maori.
Unser Ziel für diesen Tag war aber noch nicht erreicht, es ging noch eineinhalb Stunden weiter auf der Road 52, da kamen uns dann während der gesamten Fahrt vielleicht nur eine Hand voll Autos entgegen. Noch weitere 15min Schotterstraße brachten uns dann endlich zu den Waihi-Falls, wo wir die Nacht verbrachten und sich sonst kein anderer mehr hin verirrte. Wirklich sehr abgelegen, hoffentlich keine Panne in dieser Gegend dachten wir uns, bis da ein Abschleppdienst hinkommt ist unser Visum abgelaufen… Handy-Empfang gab es nur in den Mini-Ortschaften, die oft wie ausgestorben wirkten (und es oft auch schon fast sind).
















Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen dann ins Schwimmbad in Masterton gehen, da die letzte Dusche doch nur im Bachwasser erfolgte. In Neuseeland sind aber leider viele Bäche von der extremen Landwirtschaft mit Schadstoffen und Keimen belastet. Das Schwimmbad hatte am Vormittag aber für ein Schulschwimmen geschlossen, weshalb wir kurzfristig zum nahegelegenen Pūkaha National Wildlife Centre fuhren. Dort gibt es unter anderem Kiwis zu sehen, also den National-Vogel der Neuseeländer, welche sich sogar selbst als Kiwis bezeichnen. Die Kiwis sind flugunfähig und haben nur ganz winzige Flügel, die nicht mehr zu sehen sind, da sie ursprünglich keine Fressfeinde auf den Neuseeländischen Inseln hatten. Siedler schleppten dann Feinde wie Possums, Ratten und Katzen an. Diese werden aktuell versucht rigoros mit zigtausenden von Fallen und Giftködern im ganzen Land ausgerottet zu werden. Da die Kiwis (die Tiere, nicht die Neuseeländer 😉) nachtaktiv sind, wurde hier im Kiwi-House Tag und Nacht umgedreht und man kann die süßen Flauschkugeln, im schwachen Rotlicht im Laub nach Würmern und Kleingetier suchend, beobachten. Auch einer Fütterung der weltweit größten Aal-Art, den neuseeländischen Langflossenaalen, wohnten wir bei.
Habt ihr schon mal daran gedacht, welcher Ort auf der gegenüberliegenden Seite der Erde ist? Also quasi wenn man durch die Erde durchbohrt, an welchem Platz man dann heraus kommt? Solch einen Ort nennt man „Antipode“. Wenn man von unserem Zuhause durchbohren würde, kommt man irgendwo im Pazifik im Wasser heraus, aber nicht weit von Neuseeland entfernt, und der nächstgelegene Punkt auf Land zu „unserer“ Antipode liegt an der Ostküste von Neuseeland und dort heißt es „Flat Point“ (nur die Chatham Inseln wären noch näher). Ein weiteres Ziel von uns war, den Flat Point anzufahren und zu schauen, wie es an dem von unserem Zuhause am weit entferntesten Punkt so ausschaut. Danke an unseren Schwager Peter, der uns auf diese Idee gebracht hat!
Es war zwar eine weite Fahrt, aber dort angekommen erwartete uns ein menschenleerer Strand mit vielen bunt schimmernden Paua-Schnecken-Gehäusen. Sonst gab es nur ein paar brandneu gebaute Häuser, die zum Verkauf angeboten waren, aber 1h Fahrzeit zum nächsten Geschäft und zur Zivilisation dürfte die Zahl der Interessierten dann doch einschränken.
Nach den ganzen Ostküsten-Abenteuern ging es schon Richtung Wellington, der Hauptstadt. Dort besuchten wir das bekannte Museum Te Papa, das gigantisch groß und unglaublich gut interaktiv aufbereitet ist und nicht mal Eintritt verlangt! Nur die Park-Preise sind denen von Innsbruck ebenbürdig. Auch fuhren wir mit der historischen Seilbahn zum botanischen Garten und gerieten noch zufällig in eine Kleinbrauerei.
Heute brachte uns die Fähre von Wellington durch die sogenannte Cook-Straße nach Picton (4h, 131€). Diese zählt zu den stürmischsten Meerengen überhaupt, bei uns war es jedoch total ruhig. Bereits über 4000 km sind wir durch Neuseeland gereist – und wir haben die Vorahnung, dass es auf der Südinsel nicht weniger werden wird! Hier gibt es anscheinend noch viel mehr Berge, noch viel mehr Schafe, noch viel mehr Natur und noch weniger Menschen. Wir sind gespannt!
















Stefan
Sovieleschöneeindrückeweitersofreuemichaufdennächstenbeitragliebegrüßezurantipode