raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

¡Viva México!

Bei der Passkontrolle am Flughafen Mexico City entschieden wir uns, zu einem Schalter mit Beamten zu gehen, anstatt durch die automatischen “e-Gates”, die den Pass und Gesicht scannen und an den internationalen Flughäfen immer populärer werden.

Grund dafür war, dass wir unbedingt einen Stempel im Pass wollten, da wir eventuell per Landweg nach Guatemala einreisen wollen und es bei kleinen, meist zwielichtigen Grenzübergängen immer besser ist, etwas vorweisen zu können.

Wir zeigten der Grenzbeamtin unser Onward-Ticket (temporäres Weiterreiseticket, ausschließlich zum Vorweisen bei der Einreise – siehe letzter Beitrag), das wir uns auf Mitte Oktober ausstellen ließen. Das war aber ein Fehler, denn die Beamtin stempelte uns nur 40 Tage erlaubten Aufenthalt in Mexiko in den Pass, obwohl bis zu 180 Tage visumfrei möglich wären 🙈 Hätten wir doch das Onward-Ticket einfach auf Dezember oder später ausstellen lassen… aber wahrscheinlich genügt es uns und wir halten uns sowieso nicht länger als 40 Tage in Mexiko auf. Wieder etwas gelernt!

Vom Flughafen fuhren wir dann mit einem App-Taxi zum Busterminal Taxqueña im südlichen Teil der 9-Millionen-Stadt. Die umliegende, dicht besiedelte Metropolregion gehört mit 21 Millionen Bewohnern zu den größten der Welt.

Am Terminal mussten wir nicht lange warten, bis uns ein Bus in circa 1,5 Stunden zum beschaulichen Ort Tepoztlàn brachte, wo wir noch eine Nacht verbrachten, bevor unser Karatedo-Training begann. Schon bei der Hinfahrt sahen wir, wie idyllisch Tepoztlán ist. Es ist ein riesiger, sehr grün bewachsener Talkessel, umringt von mystisch aussehenden Bergen.

Das Wiedersehen mit Hanshi, Ossi und unseren mexikanischen Karate-Freunden, die wir schon in Japan getroffen hatten, war sehr herzlich. Aber auch die anderen mexikanischen Trainingskollegen, die wir noch nicht kannten, waren sehr gastfreundlich und freuten sich sichtlich, dass wir ihr Land besuchen. Untergebracht waren wir in einer Art Kloster, die Einrichtungen waren aber nicht schlecht und das Außengelände perfekt zum Trainieren mit direktem Blick auf die Bergwelt. Wie alle lateinamerikanischen Länder ist auch Mexiko sehr gläubig, weshalb am Nachmittag des 11. September eine Messe zum Gedenken der verstorbenen Mitglieder in der ausgesprochen schönen Kirche mit gläserner Front- und Rückwand stattfand. Das Training startete dann am nächsten Tag um 09:00 Uhr und Hanshi Masako verlangte uns und den anderen ca. 50 Teilnehmern für drei Stunden viel ab. Die Teilnehmerzahl stieg dann im Laufe der Tage auf geschätzt 70, da sich viele unter der Woche nicht von der Arbeit freinehmen konnten. Um 16:00 Uhr begann dann Trainingsblock Nummer 2, ebenfalls wieder für drei Stunden (von kurzen Pausen unterbrochen). Die Verpflegung in der Kantine war super und authentisch mexikanisch. Zu jeder Speise gab es immer Tacos und mehrere Saucen, Mexikaner brauchen nämlich immer eine “Salsa”.

Die folgenden Tage waren geprägt von ständigem Muskelkater, je 6 Stunden Training und riesigen Essensportionen, die wir auf unsere Teller luden. Wir brauchten wohl die Energie…

Okay zugegeben, ein schnelles Bier mit Ossi und Konsorten war auch manchmal dabei 😉 Das Wetter war perfekt zum Trainieren, denn meist war es bewölkt und somit nicht zu heiß. Nachts gewitterte es meist mit starkem Regen, was zu einer ziemlich aufgeweichten Wiese führte. Dementsprechend dreckig schauten unsere Füße und Anzüge immer aus, es wird ja barfuß trainiert.

Unsere Köpfe schwirrten nach den vielen komplizierten Katas, also sogenannten Bewegungsformen, an denen wir uns versuchten. Aber auch mit traditionellen japanischen/okinawischen Waffen trainierten wir, nämlich Bo, Sai, Tonfa und den bekannteren Nunchakus.

Am Abend des 15. Septembers ging es im patriotischen Mexiko ziemlich rund, denn am 16. wird der Unabhängigkeitstag gefeiert. Schon untertags hörte man überall typisch mexikanische Musik aus Lautsprechern und immer mal wieder Böller und Raketen. Ein viel gespieltes Lied offenbarte sich dann dermaßen als Ohrwurm, dass es noch heute im Kopf herumspukt: Viva Mexico von Aída Cuevas.

Viva Mexico bedeutet so viel wie “Es lebe Mexiko!”. Vielleicht ist euch das auf dem Kopf stehende Ausrufezeichen im Titel aufgefallen. Im Spanischen wird im Imperativ und bei Fragen das jeweilige Zeichen nach UND vor dem Satz gestellt, da allerdings verdreht.

Am 16. September, unserem ersten Hochzeitstag, fanden dann vormittags das Abschlusstraining und die Graduierungen, also die Beförderung zum nächsthöheren Gürtel, statt. Am Nachmittag wurden wir noch von Renshi Nahim, der in Tepoztlán wohnt, zum Grillen eingeladen, bei dem auch Hanshi Masako und einige andere dabei waren. Irgendjemand hatte Shihan Ossi zugesteckt, dass es unser erster Hochzeitstag war, was er dann natürlich in großer Runde verkündete 😉 Nachdem wir von allen Anwesenden Gratulationen empfangen hatten, kam dann die große Verabschiedung, welche man fast schon als emotional bezeichnen kann. In den paar Tagen machten wir viele tolle Bekanntschaften und die wahrhaftig gastfreundlichen Mexikaner überhäuften uns mit Tipps für unsere weitere Reise und auch Einladungen. Vielen Dank auch an Xi, die unsere Karate-Anzüge mit nach Europa nimmt und uns nach Hause schickt, damit wir sie nicht bis Dezember mitschleppen müssen.

Am Morgen des 17. standen wir früh auf, da wir unbedingt noch auf den Tepozteco wollten (die Berge, die wir die letzten Tage immer vor uns hatten). Dort oben gibt es nämlich eine historische Pyramide mit super Aussicht. Als wir nach etwa einer Stunde oben ankamen, standen wir vor geschlossener Pforte: Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntag. Na bravo…

Zurück in Mexiko City bezogen wir unser AirBnB-Appartement. Das kleine Studio war für unsere Zwecke völlig ausreichend, nur der Wasserdruck war so gering, dass man fast nicht duschen konnte. Abends gingen wir noch zum gigantischen Stadtplatz und zum Monumento a la Revolución. Für den nächsten Tag buchten wir einen kompletten Tagesausflug nach Teotihuacan inklusive Abholung, Ballonflug, Frühstück in einem Höhlenrestaurant und Führung durch die Pyramiden. Diesen Ausflug schenkten wir uns zum Hochzeitstag, auch wenn er mit 160€ pro Person unser Budget sprengte.

Schon um 04:15 wurden wir vor der Tür abgeholt, mittlerweile hatten wir gar kein fließendes Wasser mehr in der Wohnung und ich schrieb dem Vermieter. Um etwa 6 Uhr kamen wir dann in Teotihuacan an, überall in der Umgebung wurden bereits Heißluftballone aufgeblasen. Nach kurzer Wartezeit und Einführung ging es auch schon in den großen Korb mit etwa 10 anderen, aber es waren mehrere getrennte Abteile im Korb und für jeden genug Platz zum Bewegen. In etwa 45 Minuten flogen wir mit hunderten anderen Ballonen knapp über den Pyramiden von Teotihuacan vorbei, bevor es dann nochmal etwas höher hinausging! Als es dann für die Landung auf ein kleines freies Grundstück zuging, wurden alle etwas nervös, da wir direkt auf einige vorgelagerte Bäume zusteuerten! Aber der Pilot hatte alles im Griff und wir streiften die Bäume nur leicht 😂 Einige Sekunden später mussten wir alle für die endgültige Landung tief in die Hocke gehen und schlugen dann auch unbeschadet am Boden auf. Die restliche Ballonfahrt war sehr ruhig gewesen und die Blicke auf die Pyramiden und die haufenweise anderen Ballone waren natürlich ein Highlight!

Unsere Ballonfahrt zum ersten Hochzeitstag

Danach wurden wir zu einem Restaurant gebracht, das sich in einer natürlichen Höhle befindet. Dort bestellten wir Chilaquiles und Café de olla zum Frühstück, da unser Tourguide uns diese empfohlen hatte. Das sind gebackene Tortillastücke mit grüner oder roter Salsa und Käse. Café de olla ist ein gewürzter und süßer Kaffee, der in einem Tonkrug serviert wird. Wir mochten beides! Nach dem Frühstück gab es eine Likörverkostung und Führung durch einen “Handwerksbetrieb” mit obligatorischem Shop. Dafür war dann die Führung durch die archäologische Zone mit den Pyramiden, die eigentlich Tempel sind, ein Hammer. Die etwa 2000 Jahre alte Ruinenstadt mit ihren zwei riesigen Tempeln (Sonnen- und Mondpyramide) beeindruckte uns sehr, vor allem, da man Fundamente und Malereien mit den Originalfarben bestaunen kann, die nach zwei Jahrtausenden immer noch nicht verblasst sind. Was mir am besten gefallen hat, war, als wir durch die sogenannte “Straße der Toten” schritten und einen Blick zurück zur Sonnenpyramide warfen. Die Form der Pyramide war exakt dem dahinterliegenden Berg nachempfunden worden, mit allen Einbuchtungen und Einschnitten. Zur Blütezeit war die Stadt mit 200.000 Einwohnern die mit Abstand größte auf dem Kontinent. Im 7. Jahrhundert nach Christus wurde die Stadt aufgegeben, laut unserem Guide aus Mangel an natürlichen Ressourcen, wie z.B. Holz.

Zurück in unserer Unterkunft mussten wir feststellen, dass das Wasser immer noch nicht ging. Da der Vermieter nicht so recht rausrücken wollte mit der Sprache, wann es wieder Wasser geben wird, wurde es mir dann zu bunt, denn wir brauchten eine Dusche und eine funktionierende Klospülung. Wir kontaktieren Jaime, der uns beim Training angeboten hatte, bei ihm zu übernachten. Er meinte, kein Problem, so forderten wir eine Rückerstattung für die restlichen Tage für unsere Unterkunft, die wir auch anstandslos bekamen. Anscheinend leidet ganz Mexiko Stadt unter einer extremen Wasserknappheit, und speziell in Randbezirken wird es sogar rationiert oder es gibt halt gar keines. Möchte man da wirklich auf Dauer leben? Vor allem, da es durch den Klimawandel die nächsten Jahrzehnte mit Sicherheit schlimmer wird…

Am nächsten Tag wollten uns Juan und seine Mutter Magda, die wir ebenfalls beim Training kennengelernt hatten, um 11:00 Uhr abholen. Sie kamen dann um 12:30 Uhr, aufgrund des allgegenwärtigen Staus, der in der Stadt herrscht. Sie wollten uns das Kanalsystem von Xochimilco zeigen, durch das man sich mit Gondeln durchkutschieren lassen kann, quasi das mexikanische Venedig. Bis wir da aber ankamen, war es schon später Nachmittag, da wir Stunden im Stau im heißen Auto ohne Klimaanlage verbrachten. Die Bootsfahrt mit der Gondel war dann recht unspektakulär und wir waren irgendwie enttäuscht, da der Aufwand hierher zu kommen dermaßen groß war.  Also wann immer es geht, nehmt die Metro (also die U-Bahn) oder die Metro-Busse in Mexiko Stadt, da sie immer eine eigene Spur haben.

Am Freitag führten uns Antonio und Rocio (ebenfalls Karatedo-Kollegen) durch das gigantische Gelände der Universidad Nacional Autónoma de México, kurz UNAM. Mit fast 400.000 Studierenden bildet die Universität eine eigene Stadt in der Stadt. Da Toño (Kurzform von Antonio) selber Professor ist, konnte er uns wahnsinnig viel erklären und zeigen. Am Nachmittag besuchten wir das Touristenviertel Coyoacán, in dem wir in einen historischen Touristenbus hüpften, der eine Runde durchs Viertel drehte. Da der Sprecher im Bus alles nur auf spanisch erklärte, bekamen wir nur wenig mit. Noch dazu schrie er manchmal so laut durchs Mikrofon und stampfte mit den Füßen auf, dass uns die Ohren klingelten. 😂

Am Abend gingen wir mit Juan und Magda zum berüchtigten Plaza Garibaldi. Dort tummeln sich Dutzende Mariachi-Gruppen und wir besuchten ein Restaurant, in dem eine Folklore-Show aufgeführt wurde. Die Vorführung mit Mariachis, Tänzern, Steppern und Lassowerfer gefiel uns ausgezeichnet, vielleicht lag dieser Umstand aber auch an den hervorragenden Tequilas, die mit Salz und Limetten getrunken wurden 😉 Der Abschied von den beiden fiel wieder sehr herzlich aus, und Magda schenkte Romana sogar ihre Schlangen-Ohrringe, nachdem wir im Laufe des Abends ein Kompliment darüber gemacht hatten. Eine wirklich rührende Geste!

Folklore im Guadalajara de Noche

Jaime und seine Frau Lily beherbergten uns sehr luxuriös, und am Samstag zeigte er uns noch das Schloss Chapultepec, das der österreichische Kaiser Maximilian zur Residenz ausbauen ließ. Für Sonntag hatten wir einen Transport per Van zum Ferienort Acapulco an die Pazifikküste gebucht, das nur 17€ billige Angebot erschien uns aber schon etwas dubios aufgrund der nicht näher spezifizierten Abholzeiten. Obwohl wir mehr als 1.5 Stunden am Abholort warteten, kam natürlich kein Van, der uns abholte 😂 aber wahrscheinlich bekommen wir das Geld von der Buchungsplattform zurück. Wir fuhren einfach mit der Metro zum Busterminal, von wo in den nächsten 10 Minuten ein Luxus-Bus losfuhr. Dieser kostete zwar das Doppelte, aber die Liegesitze waren besser als jeder Fernsehsessel!

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  1. Lorenz Prosser

    Geil!

  2. Toni & Petra

    Sensationell, was ihr alles erleben dürft…..MAPA

  3. Vici

    Soooo cool 😍😍 ganz viel Spaß noch!!

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