raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

Die Abenteuer der zwei Hobbits

Kurz nachdem wir den letzten Beitrag veröffentlichten, gingen auf einmal unsere Seitentüren nicht mehr elektrisch auf. Oje, die Kühlbox und das Aufladen der Handy-Akkus hat sicherlich die Autobatterie leer gesaugt über den ganzen Tag… und wir haben nicht mal ein Starterkabel dabei! Zum Glück hatte eine Camping-Nachbarin ein solches Kabel und ein netter älterer Neuseeländer fuhr mit seinem Jeep sogleich neben unser Auto und half uns beim Starten, was glücklicherweise auch funktionierte! Jetzt nur nicht mehr abstellen und gleich eine größere Runde drehen, damit wir die Autobatterie wieder etwas aufladen. Wir fuhren zur nächsten Tankstelle, da wir sowieso Motoröl kaufen wollten, weil die nachmittägliche Ölmessung einen besorgniserregenden Tiefststand anzeigte. (Wir fanden dann im Nachhinein heraus, dass unsere Vorgänger doch kein volles Service mit Ölwechsel gemacht hatten…). Um unseren tollen Stellplatz am Strand nicht zu verlieren, dachten wir uns, dass wir einfach unseren Camping-Tisch inzwischen stehenlassen. Als wir ca. 30 Minuten später von der Tankstelle wieder zurück kamen, war kein Camping-Tisch weit und breit mehr zu sehen! Das Rätsel um den verschwundenen Billigtisch, den wir erst am Vortag gekauft hatten, löste sich erst auf, als unser Yoga-praktizierender Hippie-Nachbar zurückkam und sagte, er habe geglaubt, wir seien abgereist und hätten den Tisch vergessen…

Die weiteren Tage waren wir dann vorsichtiger mit dem nächtlichen Aufladen der Handys und der Kühlbox und wir nahmen uns vor, uns bei nächster Gelegenheit ein Starterkabel zuzulegen. Die Reise ging dann an den nord-westlichsten Punkt Neuseelands, zum Cape Reinga. Dort gibt es einen Leuchtturm mit unglaublicher Aussicht auf die sich mit dem Pazifischen Ozean vereinigende Tasmansee. Wir sind dann in einer halbstündigen Wanderung über einen Klippenpfad bis zu einem wunderbaren Strand hinunter gewandert, wo wir komplett alleine waren.

Am nächsten Tag nahmen wir uns die Besichtigung der „Te Paki Giant Sand Dune“, also einer riesigen Sanddüne, vor. Auf dem Weg dorthin kamen wir in eine Kuhherde mit geschätzt mehreren hundert Kühen und genau einem (!) Schaf 😂, die auf der Straße von Fahrzeugen und Hunden getrieben wurde. Als wir am Parkplatz ankamen und ausstiegen, stank es fürchterlich und wir sahen, dass das Auto auf der Seite, in den Kotflügeln und der komplette Unterboden mit frischem Kuhmist bedeckt war…

Wir haben ja schon im Vorfeld gelesen, dass man von diesen bis zu 150m hohen Dünen mit einem Brett herunter surfen kann, aber uns keine weiteren Gedanken dazu gemacht. Dort angekommen stand bereits ein Wagen da, an dem man sich Boards zum Hinunterrutschen ausleihen kann (15 NZ$). Das machten wir sogleich und machten uns auf den Weg zum Gipfel der größten Düne, den wir in ca. 15 Minuten erreichten. Eine unglaubliche Landschaft, wie mitten in der Sahara kommt es einem vor. Wir legten uns laut Anleitung auf die Bretter und düsten den Sandhang mehrmals hinunter. Es war wirklich eine sehr spaßige Aktion, aber da man beim Hochstapfen durch den Sand immer einen halben Schritt zurückrutscht, ist es auch ziemlich anstrengend. Außerdem ist man nach kurzer Zeit komplett sandig, und komplett heißt: Sand in den Augen, Sand in den Haaren, Sand in der Ritze, … Dusche gab es danach leider keine, nur einen winzigen Bach mit wenig Wasser.

Sanddünen-Surfen ganz im Norden

Wieder südwärts unterwegs mussten wir natürlich auch zum bekannten 90-Mile-Beach fahren, der eigentlich „nur“ 55 Meilen lang ist, was 88 Kilometern entspricht! Das muss man sich einmal vorstellen, ein ununterbrochener Strand von Kufstein bis Zirl. Das coole daran ist, dass man auf diesem Strand mit dem Auto fahren darf. Allerdings sollte man nur 2 Stunden vor und nach Ebbe den Strand befahren, es sind schon viele Fahrzeuge von der Flut überrascht worden oder steckengeblieben und abgesoffen! Ein Allrad-Antrieb wird natürlich wärmstens empfohlen, da man sich im Sand leicht eingraben kann. Da wir leider keinen haben, sind wir zur Waipapakauri Ramp gefahren, bei der man auch mit 2WD Autos halbwegs gut an den Strand runterkommt. Dort tasteten wir uns etwas heran, nicht, dass wir ebenfalls aus dem Sand gezogen und abgeschleppt werden müssen. Aber knapp oberhalb des Wassers, also wo der Sand noch nass war, konnte man gut fahren ohne einzusinken, das machte dann so richtig Spaß. In der Stunde, die wir ungefähr am 90-Mile-Beach verbracht haben, kam gerade mal 1 Auto vorbei, sonst war es wie ausgestorben.

Wir cruisen auf dem 90-Mile-Beach

Ebenfalls sehr bekannt für Neuseeland sind die Glühwürmchen-Höhlen. Es sind zwar eigentlich die ekligen Larven, die biolumineszierend sind und so toll leuchten, aber da wollen wir nicht kleinlich sein. Natürlich wollten auch wir dieses Phänomen live zu sehen bekommen, aber die bekannten Waitomo Caves kosten unglaubliche 42€ Eintritt pro Person. Das ist dann doch etwas viel für eine 45-minütige Tour! Nach kurzer Internet-Recherche fand Patrick heraus, dass es ganz in der Nähe die Waipu Caves gibt, die ebenfalls bekannt für die Glühwürmchen sind. Und ratet mal, wie viel der Eintritt kostet? Richtig: Gar nichts. Einfach Stirnlampe aufsetzen, 50m in die Höhle rein gehen und einen wunderbaren „Sternenhimmel“ erleben mitten am Tag. Zuerst waren doch einige Leute gleichzeitig mit uns in der Höhle, aber wir kletterten tiefer hinein und waren dann sogleich alleine. Als wir nach mehreren gescheiterten Fotografier-Versuchen wieder weiter raus gingen, waren wir ganz alleine. Eine echt interessante und schöne Erfahrung! Eine ebenfalls interessante, aber unschöne Erfahrung machten wir kurze Zeit später, als wir von einer Polizeistreife mit Blaulicht verfolgt wurden. Patrick fuhr links ran und wir erfuhren von dem freundlichen Polizisten, dass wir 14 km/h zu schnell bei einer 50er Zone gefahren sind. Nach Aufnahme der Personalien und Adresse sagte der Polizist, dass die Rechnung von 80$ (45€) per Post nach Österreich geht und Patrick 20 Strafpunkte in Neuseeland hat. Bei 100 Punkten ist der Führerschein weg. Ok, na dann… Weiter geht’s!

Für Sonntag stand dann die Führung durch den Original-Drehort von Hobbingen aus „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ an, welche wir schon über eine Woche im Voraus buchen mussten. Dies dürfte die meistbesuchte Touristenattraktion Neuseelands sein, da in 10 Minuten Slots die Besucher-Gruppen durch Hobbingen geführt werden. Laut unserem Guide ist der grüne Drache, also das Dorf-Gasthaus aus dem Film, in dem man auch in Echt ein Bier bekommt, das bestbesuchteste Pub Neuseelands. Wir hatten dann richtig Glück mit unserer Führung am Nachmittag, da es richtig sonnig wurde und es bis Mittag noch aus Kübeln schüttete. Hobbingen selbst ist wirklich idyllisch und extrem detailreich gestaltet. Es wurde nach den Dreharbeiten für Herr der Ringe 2003 komplett abgerissen und für Der Hobbit (2012) mit permanenten Baustoffen neu gebaut und seitdem gewartet. Für Herr-der-Ringe-Fans ein Muss, auch wenn das Ticket mit 120$ weh tut (letztes Jahr noch 89$!)

Zwischen all den Highlights bis jetzt mussten wir natürlich immer mal wieder einkaufen gehen und Stellplätze für die Nacht suchen. Ebenfalls checkten wir nochmals den Ölstand und waren überrascht, dass schon wieder viel zu wenig drin war. Das veranlasste uns doch zu einer Werkstatt zu fahren und einen Check und Ölwechsel zu machen, da eh seit mindestens 15000 km keiner mehr gemacht wurde. In Thames fragten wir bei Wayne’s Garage, die wir zuvor über Google gefunden hatten. Sie können es sofort machen, war die Antwort. Perfekt! Wir schauten uns inzwischen eine ehemalige Goldmine an, wo uns eine nette Dame eine kleine Führung gab uns sehr intessante Gold-Fakten lieferte. Die Gegend um Thames explodierte vor Reichtum Ende des 19. Jahrhunderts, da in dieser Gegend unglaublich viel Goldvorkommen war und auch noch ist. Nach zwei Stunden konnten wir das Auto wieder abholen. Das Öl war schon ziemlich dreckig und viel zu wenig, trotzdem dass wir schon soviel nachgefüllt hatten. Gut, dass wir den Wechsel veranlasst haben!

Das Wetter war die letzten Tage ziemlich wechselhaft und regnerisch, deshalb blieben wir gestern einfach in Coromandel Town und gingen gut essen. Da gibt es nämlich eine riesige Miesmuschelart, die Grünlippmuschel, die es nur in Neuseeland gibt. Wir bestellten einen 1 kg Topf für uns beide, und es war wirklich eine Delikatesse! Heute fuhren wir direkt zum Hot Water Beach, der seinem Namen wirklich alle Ehre macht. Hier kann man etwa 2 Stunden vor- und nach der Ebbe Löcher graben am Sandstrand, welche sich mit bis zu 65°C heißen Thermalwasser füllen. Bis dann die Flut kommt und alle Löcher wieder auffüllt. Die Schaufeln oder Spaten kann man sich im Ort ausleihen oder man fragt einfach Leute die schon fertig mit dem Buddeln sind. Unser gegrabenes Loch war fast zu heiß – wir mussten immer kaltes Meerwasser holen, damit wir uns nicht unsere Allerwertesten verbrannten!

Die nächsten Tage geht es weiter Richtung Süden, wahrscheinlich Umgebung Rotorua und dann zum Taupo See, aber genaue Pläne haben wir noch nicht! Wir sind schon gespannt, welche Schätze dieses abenteuerliche Land sonst noch zu bieten hat!

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  1. Toni

    Tolle Bilder ….weiter so

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