Nach nur ein paar Stunden Aufenthalt in Sydney/Australien kamen wir endlich in Auckland, der Hauptstadt von Neuseeland (danke Sophia für den Hinweis – Auckland ist zwar die größte, aber natürlich nicht die Hauptstadt, das ist Wellington), an. Unser Plan: Ein Auto kaufen, in dem wir für etwa 2 Monate schlafen und leben werden, während wir die Nord- und Südinsel von Neuseeland erkunden. Das machen viele Reisende hier so, denn es gibt unzählige Camping-Plätze, die teilweise sehr einfach, aber dafür sogar gratis oder sehr billig sind. Das Fahrzeug sollte unbedingt „Self-Contained“ zertifiziert sein, also dass man mind. 3 Tage ohne externe Infrastruktur auskommt. Das heißt, man hat genügend Frischwasser an Bord, einen Abwassertank und eine (portable) Toilette. Ohne diese Zertifizierung ist „Freedom Camping“, also das Wildcampieren, nicht erlaubt und man darf an ganz vielen schönen Plätzen nicht übernachten. Die Regeln wurden aufgrund des Andrangs der letzten Jahre immer wieder verschärft, kürzlich wurde eingeführt, dass alle self-contained Fahrzeuge ein fix eingebautes WC haben müssen.
Am Ende unseres Neuseeland-Trips soll das Auto wieder verkauft werden, hoffentlich zu einem Preis nicht weit weg vom Kaufpreis. Manche hatten schon Glück und konnten einen „Campervan“, wie die umgebauten Kleinbusse heißen, mit einem Gewinn am Ende der Reise verkaufen. Das hängt in Neuseeland aber stark von der Saison ab, in der Hauptsaison von November bis Jänner sind die Preise sehr hoch und Campervans schwierig zu bekommen. Wir hatten ja schon im Vorfeld über Facebook-Gruppen Kontakt mit diversen Verkäufern aufgenommen und Besichtigungstermine ausgemacht. So trafen wir uns am 20. Februar direkt nach Ankunft in Auckland am Flughafengelände mit einem französischem Pärchen und sie zeigten uns einen Nissan Elgrand Baujahr 2005, der schon recht vielversprechend war. Eine Probefahrt durfte natürlich auch nicht fehlen, leider war der Verkehr rund um den Flughafen sehr stark. Wir sagten aber noch nicht fix zu, denn für den kommenden Tag war noch eine Besichtigung mit einem jungen deutschen Paar vereinbart, ebenfalls ein Nissan, aber Modell Serena und Baujahr 2012. Uns war wichtig, dass unser zukünftiges Auto wenig Kilometer auf dem Hodometer hat und nicht zu alt ist, zumindest unter 200.000 km sollten es sein, denn es fahren genügend alte Schüsseln mit über 600.000 km auf Neuseelands Straßen! Aber beide Nissans haben nur etwa 150.000 km, also das passt schon mal.
Das Treffen mit den Deutschen verlief dann sehr positiv, zumal sich das Auto super fahren ließ, komplett neue Reifen hatte und der Preis unter dem 7 Jahre älteren Konkurrenten lag. Zudem ist es bereits bis 2027 statt 2025 nach den neuen Regeln self-contained, was den Weiterverkauf sicher vereinfacht. Nur die Inneneinrichtung und die „Küche“ war bei den Franzosen etwas schöner gemacht. Wir einigten uns auf einen Kaufpreis von 7850€ (Anzahlung 500 Neuseelanddollar in bar, Rest per Überweisung), unterschrieben gleich den Kaufvertrag und machten für den nächsten Tag ein Treffen für die Übergabe aus.
Leider dauerte es dann fast zwei Tage, bis das Geld auf ihrem Konto war, da ihre deutsche Bank leider Sofort-Überweisung nicht unterstützte. Ganz verstehen wir es nicht, da es eigentlich EU-Verordnungen gibt, dass online SEPA-Zahlungen im EWR-Raum maximal einen Bankarbeitstag dauern dürfen, und es war ja unter der Woche. Wenigstens überließen sie uns ihre AirBnB-Unterkunft, und wir waren dann sehr erleichtert als am Morgen die Nachricht kam, dass das Geld angekommen sei. Wir trafen uns beim AirBnB und fuhren Theresa und Daniel zum nahegelegenen Flughafen, da die beiden noch am selben Tag nach Australien weiterzogen.
Endlich können wir loslegen, denn Auckland war nicht wirklich sehenswert und am Vortag waren wir zu Tatenlosigkeit verdammt aber schon voller Vorfreude! Aber zuerst mussten wir noch das Auto einer Grundreinigung unterziehen, denn unsere Vorgänger hatten wohl eine andere Vorstellung von Sauberkeit als wir…
Die erste Nacht verbrachten wir auf einem Parkplatz nördlich von Auckland direkt am Meer, bei dem drei Plätze für Freedom-Camper reserviert sind. Fast alle Stellplätze findet man mit Apps wie CamperMate, WikiCamps oder Rankers Camping, wobei alle 3 unterschiedliche Daten und Campingplätze eingepflegt haben. Wir schliefen gut und erfrischten uns in der Früh gleich mit einer Runde Schwimmen im Meer. Was will man mehr? Gratis Übernachtung direkt am Meer gelegen, eine öffentliche Toilette in der Nähe, Sitzbänke und Picknicktische sowie Müllkübel. Generell ist die öffentliche Infrastruktur super: extrem viele öffentliche WCs (alle gratis), kostenlose Parkplätze, viele Müllkübel, Entleerstationen für Schmutzwasser, etc.
Das Wetter wurde leider immer wechselhafter nach den sehr sonnigen Tagen in Auckland. Wir hatten noch einige Besorgungen zu machen, wie Lebensmittel einzukaufen oder das Geschirr zu waschen, bevor wir abends (wieder Parkplatz am Strand) das erste Mal kochten. 5-Gänge Menü wird es wohl keines geben in Zukunft, da wir nur einen Gas-Griller mit Topf und Pfanne haben, aber für Curry, Nudeln und Steak mit Bratkartoffeln hat es schon gereicht. Weiters statteten wir unser neues Gefährt mit einer Kühlbox, einem Handyhalter und einem Campingtisch aus. Wir bekamen den Tipp, für eine heiße Dusche in die öffentlichen Schwimmbäder zu gehen, da diese günstig sind und oft auch Whirlpools und Sauna haben. Das machten wir vorgestern und für 7,50$ (4,30€) p.P. bekamen wir das alles geboten! Warum gibt es das in Tirol nicht mehr?
Bis jetzt fuhren wir jeden Tag ca. 2 Stunden Richtung Norden, um bis ganz an das Cape Reinga und dem 90-Miles Beach zu kommen. Beim Hundertwasser-Zentrum in Kawakawa, dem Ort in dem Hundertwasser bis zu seinem Tod lebte, verbrachten wir ebenso eine Nacht, und nutzten dort die bekannteste Toilette Neuseelands, die ganz im Stil des Künstlers gebaut wurde. Gestern kamen wir beim Tokerau Beach an, und hier gefällt es uns so gut, dass wir gleich noch eine Nacht bleiben. Der Sandstrand ist so lang, dass man die Enden nicht sieht, und man hört den ganzen Tag die Wellen rauschen. Einzig die beißenden Fliegen machen uns heute zu schaffen. Gestern vollzogen wir auch noch die Taufe unseres japanischen Fahrzeuges und gaben ihm den Namen Sigrid. Warum Sigrid? Keine Ahnung!


























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