raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

Ein Jahr voller Abenteuer

Vor genau einem Jahr begann unsere Rauszeit – am 19. Oktober 2023 machten wir uns auf den Weg nach Wien, von wo wir dann tags darauf nach Japan geflogen sind. Auch wenn uns der Abschied natürlich nicht leicht gefallen ist, bereuen wir unsere Entscheidung, die Welt für längere Zeit zu erkunden, keinesfalls. Auch wenn es zwischendurch einige Hürden zu meistern galt (Unfall und Autopanne in Australien, Abzocke in Indonesien, Hurrikans und Autoknacker in Mexiko…), überwiegen mit Abstand all die positiven Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen, die wir bisher machen durften. Bis jetzt besuchten wir auf dieser Reise bereits 17 verschiedene Länder, einige davon nur wenige Tage (Singapur, Taiwan,…), andere mehrere Wochen und in Neuseeland lebten wir sogar für zwei Monate in unserem Auto. Am Ende unserer Reise werden wir dann alle Zahlen, Daten und Fakten genauer auflisten. Da wir jede einzelne Ausgabe von Geld digital mitnotieren, können wir dann tolle Auswertungen machen, wie zum Beispiel, welches Land das günstigste war oder wie viel wir für Flüge, Aktivitäten oder Essen ausgegeben haben. 

Jetzt aber zurück zu unseren aktuellen Erlebnissen, die wir während einer Woche im kleinen Land Belize machten. Warum reisen wir überhaupt nach Belize, obwohl es nicht auf unserer “Liste” steht? Ehrlich gesagt nur, weil es geographisch sehr günstig liegt, um von Yucatan nach Flores in Guatemala zu kommen. Deswegen veranschlagten wir nur etwa eine Woche für Belize, und auch weil das Preisniveau ziemlich hoch ist. Ganz Belize, das bis 1973 Britisch Honduras hieß, zählt nur 400.000 Einwohner. Als einer der wenigen Länder in Mittel- und Südamerika ist die Amtssprache Englisch und nicht Spanisch, obwohl die Belizer einen wilden Mix aus den verschiedensten Sprachen sprechen.

Von Chetumal in Mexiko reisten wir per dreistündigem Wassertaxi nach Belize ein. Unser Ziel war die winzige Insel Caye Caulker, aber zuvor musste das Boot einen Zwischenstopp in San Pedro auf der größeren Insel Ambergris Caye machen, wo alle 11 Passagiere die offizielle Immigration und Passkontrolle machen mussten.

Die Stimmung auf Caye Caulker kann man nur als “relaxed”, aber sehr touristisch bezeichnen. Barfüßige Rastafaris begrüßen dich auf der Insel und jeder zweite Mann läuft mit einer Bierflasche in der Hand herum. Die Insulaner scheinen ein kleines Alkoholproblem zu haben… Anscheinend wird man auch schon einmal von den Einheimischen ermahnt, langsamer zu gehen, sollte man ihnen einen zu hastigen Eindruck machen. Autos gibt es keine auf der Insel – dafür aber umso mehr Golfcarts, denen man dauernd ausweichen muss. 

Bei unserer Unterkunft waren auch Fahrräder dabei, die wir benutzen durften. Wir wollten eine Runde um die Insel drehen, aber nach kurzer Zeit brach dann der total durchgerostete Rahmen meines Fahrrads und wir mussten dann vom südlichsten Punkt zurückschieben 🙈 Die Vermieterin nahm es gelassen, sie meinte “Jaja, hier rostet einfach alles zusammen, auch unsere Knochen” 😂

Da das Wetter leider während der zwei Tage Aufenthalt auf Caye Caulker recht unbeständig war, verschoben wir den Tauchausflug auf die nächste Insel, die wir besuchen würden. Außer, dass wir einige lokale Spezialitäten aus dem Ozean probierten (“Conch” – eine riesige Meeresschnecke), unternahmen wir nicht viel.

Am Montag fuhren wir dann zurück nach San Pedro, wo wir schon die Passkontrolle hatten. Diese Insel ist um einiges größer, aber auch hier gibt es fast nur Golfwagen. Einzig die Taxis sind normale PKWs, wobei mit “normal” rostige Klapperkisten gemeint sind. Belize ist ja bekannt für das einzigartige Belize Barrier Reef, das nach dem australischen Great Barrier Reef das zweitgrößte Riff der Erde ist. Deswegen gibt es auch zahlreiche Schnorcheltouren und Tauchanbieter. Leider sind die Touren extrem teuer, ab 60 Euro wird man für 2 Stunden mit dem Boot zu nahegelegenen Schnorchelplätze gebracht… Aber auch Unterkünfte und Restaurants sind überteuert, was auch an den vielen US-amerikanischen Urlaubern liegt, die während der Hochsaison tausende Dollars in Luxus-Resorts liegen lassen. 

Da ich schon immer mal mit Haien tauchen und wir uns ein eigenes Bild von der Unterwasserwelt im Belize Barrier Riff machen wollten, buchten wir für Dienstag einen Doppeltauchgang beim kleinen Familienunternehmen “Scuba Steve”. Den ersten Tauchgang machte der Junior namens Eugene mit uns. Relativ gleich am Anfang schon sah ich den charakteristischen Umriss eines Hais in einigen Metern Entfernung, allerdings verschwand er schnell wieder aus unserem Blickfeld. Als wir dann durch einen sogenannten Korallencanyon tauchten, besuchte uns ein neugieriger Ammenhai (englisch: Nurse Shark), der unter uns durchschwamm und dann vor uns her, sodass wir ihn sehr gut beobachten konnten. Die Ammenhaie gelten als absolut ungefährlich und gutmütig, solange man sie nicht provoziert. Mit ihrem platten Kopf und der drachenartigen Schwanzflosse schauen diese wunderschönen Tiere auch nicht sehr gefährlich aus. Irgendwann zog dann unser Tauchguide Eugene einen Lobster (Hummer) unter einem Stein hervor. Als er dann den riesigen Hummer mit beiden Händen packte und mit einer drehenden Bewegung in der Mitte auseinanderbrach, schauten Romana und ich uns mit entsetzten Blicken unter Wasser an und schüttelten beide die Köpfe. Was zum Teufel sollte das denn? Seit wann tötet man bei einem Tauchgang mit Gästen Tiere, und das noch dazu auf grausame Weise? Dann killte er noch einen weiteren. Einen Teil vom Hummer steckte er in seine Tauchweste, den restlichen, zuckenden Körper schmiss er einfach ein paar Meter weiter. Ein paar Ammenhaie rochen das natürlich, und schon bald stritten sich mehrere Tiere um die Überreste des Hummers. Und dann kamen die karibischen Riffhaie. Die ca. 2 Meter langen Tiere schauten im Gegensatz zu den Ammenhaien viel respekteinflößender aus, gelten aber auch nicht als gefährlich… Als wir dann weiter tauchten, uns aber mehrere Exemplare davon weit zu umkreisen begannen, war uns dann doch nicht mehr so wohl. Die Hummer-Teile im Jacket von unserem unprofessionellen Tauchlehrer-Helden trugen sicher auch am Interesse der Riffhaie an uns bei. Als einer der Raubfische dann ziemlich knapp an uns vorbeischwamm und Eugene eine gleichermaßen wütende wie panische “Kommt sofort zu mir”-Geste zu uns machte, dachten Romana und ich gleichzeitig, dass wir in diesem Augenblick von hinten angegriffen werden. Was für eine Witzfigur, unser “Divemaster”. So richtig entspannen konnten wir uns beim restlichen Tauchgang nicht mehr. Das erste, was ich ihn an der Oberfläche fragte, warum er die Hummer getötet hatte? Er antwortete in seinem schwer verständlichen Slang und unsympathisch “Don’t worry, I’ll do it again” oder “I won’t do it again”, ich hatte es nicht verstanden. Ich beschloss, das Thema an Land gemeinsam mit dem Boss, seinem netten Vater, nochmal zur Sprache zu bringen. Dieser stimmte mir dann zu, dass so eine Verhaltensweise in einer Tauchschule absolut fehl am Platz sei und bedankte sich, dass ich es ihm gesagt hatte. Der ach so coole Eugene hatte nicht mehr viel zu sagen und schien in seinem Stolz verletzt worden zu sein. Gottseidank machte dann Steve mit uns den zweiten Tauchgang, aber auch der konnte uns nicht überzeugen. Leider hatten wir uns diesmal für eine sehr unprofessionelle Tauchschule entschieden, trotz vieler sehr guter Bewertungen auf Google. Abgesehen von den Haien und den Korallencanyons konnten die Tauchgänge bei weitem nicht mit Indonesien mithalten.

Nach unserem Hai-Abenteuer, das wir leider aufgrund der gestohlenen GoPro nicht filmen konnten, brauchten wir was Stärkeres an der nächstgelegenen Strandbar. Dort erfuhren wir, dass dienstagabends immer das Einsiedler-Krebs-Rennen im Nauti Crabs veranstaltet wird. Das klingt spaßig, dachten wir uns, und gingen dann auch dorthin. Für 5 Belize-Dollar (2€) konnte man sich einen nummerierten Krebs aussuchen, der dann im Rennen für einen startet. Weiters musste man dem gewählten Krebs einen Namen geben. Der lustige dicke, amerikanische Moderator klopfte einen anzüglichen Witz nach dem anderen, als er vor dem Start alle gewählten Namen vorlas. Die erste Runde startete um kurz nach 18:00 Uhr, wir hatten uns die Nummer 3 und die Nummer 106 ausgesucht und in “Sigrid” und “Michael Schumacher” benannt. Der zweite Name war dann sogar ziemlich passend, denn als Romana den Krebs in den Kübel mit den Startläufern befördern wollte, rempelte der Moderator sie aus Versehen an und Michael Schumacher hatte einen schweren Unfall, da Romana ihn fallen ließ 🙈 Hoffentlich hatte unser Nummer 106 keinen bleibenden Schaden davon getragen, um beim Rennen an den anderen vorbeizuziehen 😂 Der Kübel mit den kleinen Wettkämpfern wurde umgedreht und der Krebs, der zuerst aus dem Ring entkam, war der Sieger. Zu gewinnen gab es 100 Belize Dollar und eine Flasche Rum! Der restliche Erlös wird an lokale Schulen gespendet, sehr vorbildhaft! Obwohl Romanas Nummer 3 als eine der Ersten den äußersten Ring erreichte, überholten sie dann doch einige andere beim Überwinden des äußersten Hindernisses. Michael Schumacher war spurlos verschollen, wir konnten ihn einfach nicht finden 😂 Auch wenn wir nichts gewonnen haben, auf alle Fälle hatten wir Spaß, solch kuriose Spiele gibt es wohl auch nur auf abgelegenen Karibik-Inseln!

Crab Race im Nauti Crab

Da am nächsten Tag das Wetter auch noch gut war, die Vorhersage für Donnerstag aber schlecht, buchten wir spontan noch den Schnorchel-Ausflug zum bekannten Hol-Chan Marine Reserve und zur Shark Ray Alley. Das Schnorcheln war ganz okay, vor allem die riesigen Barracudas, die absolut nicht scheu waren, konnten wir aus nächster Nähe betrachten. Aber um ehrlich zu sein, wir sind einfach schon sehr verwöhnt von den Philippinen, Australien, den Cook Islands und natürlich Indonesien. Dafür war das Erlebnis bei der sogenannten Shark Ray Alley einzigartig. Früher nahmen hier die Fischer den Fang aus, was alle Ammenhaie im Umkreis anlockte und diese blieben dann einfach irgendwann in dem Gebiet. Wenn jetzt ein Boot angefahren kommt, dauert es nicht lange, bis hunderte Haie nachschwimmen und auf einen Leckerbissen warten. Unerschrockene können natürlich ins Wasser gehen und mit den Haien um die Wette plantschen. Aber seht selbst:

Die Haie kommen!

Der Hauptgrund, warum wir auf San Pedro mindestens bis Donnerstag bleiben wollten, war, weil jeden Donnerstagabend das berühmte Chicken Drop Game stattfindet, welches ein weiteres schräges und tierisches Glücksspiel ist. Um mitzuspielen, muss man ein 4$-Los kaufen mit einer Nummer von 0 bis 99. Auf einem quadratischem Podest mit 10×10 nummerierten Feldern wird ein Huhn oder ein Hahn freigelassen, und das Feld, auf dem die Hinterlassenschaft des Federtiers landet, bestimmt den Gewinner 😂💩 Dieser muss den Chicken Drop aber dann auch aufwischen 😉 Wir spielten bei 2 Runden mit, aber abermals war uns das Glück auf 150$ nicht hold…

Das berühmt berüchtigte Chicken Drop Game 😂

Am Freitag ging es mit der Fähre nach Belize City, von wo uns ein Bus über die Grenze nach Guatemala brachte. Die Formalitäten an der Grenze waren auf beiden Seiten sehr problemlos und zügig, beim Ausreisen aus Belize werden 18€ fällig.

Da wir nur auf den beiden Inseln unterwegs waren, können wir auch nur über diese urteilen. So richtig überzeugt waren wir beide nicht von Caye Caulker und San Pedro. Zu viele Amerikaner, zu viel Müll, zu viel Verkehr mit den Golfcarts, keine schönen Strände. Wenn man Strandurlaub will, gibt es sicher bessere Adressen!

Zusammenfassend möchten wir über Belize folgende Punkte festhalten:

  • Sehr aufgeschlossene Leute, die immer grüßen und Smalltalk machen
  • Kulinarische Spezialitäten wie Ceviche, Fry Jacks, Lobster und Conch…
  • Da es eine englische Kolonie war, sind alle Maßeinheiten imperial und nicht metrisch (pounds, feet, ounces, …). Auch beim Tauchen muss man die Skalen der Instrumente umrechnen. Lustigerweise herrscht aber Rechtsverkehr!
  • Da 1 US-Dollar immer mit 2 Belize Dollar umgerechnet wird, kann man überall mit US-Dollar bezahlen, bekommt aber das Restgeld meist in Belize Dollar oder gemischt.
  • Das Preisniveau ist in den Touristengebieten unglaublich hoch. In kleinen Küchen für die Einheimischen haben wir aber auch preiswert gegessen.
  • In ganz Belize gibt es keine Fast-Food-Ketten wie McDonals’s und Co.

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  1. Maria S.

    Tolle Reiseberichte! Gute Reise weiterhin!

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