Die Wettervorhersage für die berühmten Pancake Rocks („Pfannkuchen-Felsen“) war für den nächsten Tag so schlecht, dass wir uns beeilten, noch am gleichen Abend dort vorbeizufahren. Die Entfernung dorthin von der Stadt Greymouth sind eh nur knapp 50 Kilometer durch Niemandsland an der Küste, also quasi ein Katzensprung in Neuseeland. Die Fahrt lohnte sich – die geschichteten Gesteins-Türme, deren Entstehung wissenschaftlich noch nicht geklärt ist, erinnern wirklich an gestapelte Palatschinken. Das Geräusch, wenn die Wellen in die unterhölten Felsformationen donnern, klingt wie eine gedämpfte Explosion oder eine Lawinensprengung. Eine weitere Sehenswürdigkeit auf dem kurzen Rundweg waren die „Haare der Riesenmeerjungfrauen“: Sogenanntes Bull Kelp (eine bis zu 40m lange Algenart) schwimmt auf der Wasseroberfläche, und die Wellenbewegungen lassen die Seetang-Bündel wirklich wie schwimmendes Kopfhaar aussehen.
Am nächsten Tag stand die Hokitika Schlucht an, die normalerweise aufgrund des türkisen Wassers bei den Touristen Entzücken auslöst. Aufgrund des starken Regens in der Nacht hatte das Bachwasser bei uns dafür eine schön braune Farbe 😉 In ganz Neuseeland, aber speziell hier in der Gegend von Hokitika, gibt es sehr viel Greenstone (Jade), der in der Maorikultur sehr geschätzt wird. Wir besuchten eine der vielen Greenstone-Schmuckmanufakturen in Hokitika, aber wie so viele kleinere Ortschaften in Neuseeland wirkte auch diese ziemlich verlassen und als hätte sie die beste Zeit schon hinter sich.
Es ging weiter die Westküste hinunter in das Gletschergebiet. Laut unserem Reiseführer-Buch gibt es weltweit nur drei Gletscher, die bis in den Regenwald hinunterreichen, und zwei davon sind in Neuseeland (der Dritte in Argentinien). Der kurze Spaziergang zum offiziellen Aussichtspunkt auf den Franz-Josef-Gletscher war dann irgendwie etwas enttäuschend, da man nicht annähernd zur Gletscherzunge hinkommt, sondern diese aus mehreren Kilometern Entfernung bewundern muss. Als Alternativen gibt es nur eine längere Wanderung zum sogenannten Roberts Point oder einen teuren Helikopter-Rundflug. Erstere Option machten wir nicht, weil es leider sehr wolkig war und Zweitere aus budgetären Gründen nicht 😉
Wir nächtigten auf einem bezahlten Stellplatz (45 NZD) bei der Fox-Glacier-Lodge, da es in dieser Gegend überhaupt keine Freedom-Camping Möglichkeiten gibt. Am nächsten Tag spazierten wir zum Fox-Gletscher Aussichtspunkt, hatten aber einen nur wenig besseren Ausblick als am Tag zuvor beim Franz-Josef. Es ist schon deprimierend, wenn man die Fotos vom Gletscher auf den Infotafeln sieht und mit dem aktuellen Stand vergleicht – wie schnell das „ewige“ Eis doch schwindet!
Das Wetter wurde im Laufe des Vomittags immer besser und schon bald konnte man die Gipfel komplett sehen. Wir umrundeten noch den Lake Matheson, der bekannt für die tollen Spiegelungen der Gletscherwelt auf der Wasseroberfläche ist.
Weiter ging’s durch atemberaubende Landschaft Richtung Queenstown, fast wie in Alaska oder Kanada schaut es hier aus. Außer schneebedeckte Berge, Seen und glasklare Flüsse in breiten Flussbetten gibt es hier nichts – mal schnell Tanken gehen oder so ist hier nicht, da muss man schon etwas vorplanen! Wir bleiben mehrmals stehen um Fotos zu machen, zu schön um vorbeizufahren! Unser letztes Ziel am Tag waren die Blue Pools, aber wir mussten uns dann noch beeilen bei Sonneneinstrahlung hinzukommen, da wir zu viel getrödelt hatten. Ein weiteres Hindernis war die gesperrte Fußgänger-Hängebrücke dorthin, die wir kurzerhand einfach umgingen, indem wir durch den oberschenkeltiefen Bach wateten. Der Blick auf die türkisblauen Gumpen war wirklich etwas Besonderes, so eine Wasserfarbe hatten wir beide noch nicht gesehen. Es war so einladend, dass wir beschlossen, einmal schnell reinzuhüpfen. Sobald wir etwas nackte Haut zeigten, attackierten uns Horden von bissigen Sandfliegen, diese verdammten Viecher! Das Wasser war eisig, mehr als ein paar Sekunden und ein paar Brustzüge waren dann doch nicht drin 😉


















Den Tag darauf fuhren wir zuerst nach Wanaka, nicht ohne beim BH-Zaun anzuhalten. Am Cardrona Bra Fence hängen Unmengen „gespendeter“ BHs und es kommen stetig soviele hinzu, dass immer wieder welche abgenommen werden müssen. Eine ziemlich interessante Hintergrund-Geschichte, welche man hier nachlesen kann.
In Wanaka hielten wir für einen Foto-Stopp direkt an der Seepromenade, die schönen gelb verfärbten Bäume zeigen wieder die hiesige Jahreszeit auf. Die größere Stadt Queenstown ist bei den Touristen vor allem für das Angebot an Adrenalin-Aktivitäten beliebt. Wir fuhren deshalb zur historischen Kawarau Brücke, um einigen Bungy-Jumpern zuzuschauen, wie sie sich in die malerische Schlucht stürzten. Ein paar von den Mutigen tauchten sogar mit dem Kopf im Wasser ein, bevor das Gummiseil sie wieder hochkatapultierte. In Queenstown, das eine tolle Lage direkt am See und Blick auf eine unheimlich anziehende Bergkulisse hat, staunten wir nicht schlecht, als wir kleine Boote senkrecht aus dem Wasser hüpfen sahen. Die wie Haie aussehenden Boote können kurz abtauchen und dann zur Belustigung eines Passagieres wie eine Rakete aus dem Wasser schießen… was es nicht alles gibt! Der Ort selbst wirkt modern, übertouristisch und der Verkehr dorthin war der schlimmste bis jetzt in ganz Neuseeland, aber wir verstehen gut, warum hier jeder hin will.
Weg vom Trubel fuhren wir ganz ans andere Ende des längsten Sees (80 km) von Neuseelands. Dort mussten wir am nächsten Tag zuerst 3 Bäche mit unserem Nicht-Allrader überqueren, was zum Glück aber bei dem aktuellen Wasserstand kein Problem war. Dann unternahmen wir eine wunderbare 4.5 Stunden Rundwanderung, den Lake Rere Track. Romana schaffte es dann gleich am Beginn bei der Überquerung eines Bächleins auszurutschen und ihre Schuhe zu fluten 🙈
Tags darauf nahmen wir uns vor, endlich das Auto online zu inserieren, das wir ja Ende April wieder loswerden wollen. Wir verbrachten den Tag in Lumsden, wo ein sehr netter Stellplatz ist, der wie ein alter Bahnhof angelegt ist, es stehen sogar zwei alte Züge da. Der Wecker ging dann um schon um 5 Uhr, weil wir die ganze Strecke von fast 200 km bis zum Milford Sound zurücklegen mussten. Dort machten wir das, weswegen jeder den weiten Weg hierher auf sich nimmt: eine Schiffsfahrt durch den Milford Sound, der eigentlich kein Sound, sondern ein Fjord ist. Die Wettervorhersage stimmte, es schüttete wie aus Kübeln. Aber wir hatten gelesen, dass das Erlebnis bei Regen nur umso eindrucksvoller sei, denn unzählige kleine Wasserfälle gesellen sich zu den Großen. Und es stimmte, die mystische Atmosphäre machte die zweistündige Bootstour wirklich kurzweilig. Der Milford Sound ist eine der regenreichsten Gebiete der Erde, im Schnitt 7 m pro Jahr! Im Amazonas-Regenwald dagegen regnet es nur bis zu 3 m pro Jahr, wow! Die Rückfahrt durch das Tal ist wieder atemberaubend, an den fast senkrechten, an den in Regenwolken verschwindenden Wänden stürzten sich hunderte Wasserfälle herunter.
Es regnet weiter und weiter, und wir fahren und fahren und fahren… Radio-Empfang ist meistens schlecht, und unser japanisches Automodell hat einen anderen Frequenzbereich, weswegen wir nur wenige Sender hereinbekommen. Gut, dass wir ein paar Musik-Playlists heruntergeladen haben, vor allem die Country-Playlist hören wir rauf und runter. Ich darf mein neues Lieblingslied vorstellen:
Gestern wärmten wir uns wieder im Whirlpool und der Sauna vom öffentlichen Schwimmbad in Invercargill, bevor wir noch einen Abstecher nach Bluff machten. Dort steht ein Schild, dass es nur noch 4810 km zum Südpol sind. Oha, so weit ist das gar nicht mehr!? Aber dorthin wird es uns eher doch nicht verschlagen, oder? 😉
















Maria
Erinnert mich voll wieder an unsere Reise …
So stark und lässig, dass ihr für so viele Wanderungen Zeit habt…
Freu mich mit euch, sehr sogar
Den BH-Zaun, sehe ihn im Geist noch vor mir ..
Liebe Grüße, Maria und Erich
Patrick
Vielen Dank! 😀 Lustig, dass ihr dort auch gewesen seit! Wann war das?
LG RoPa
Petra
Wie immer super!!!
Viel Erfolg beim Sigridverkauf…..
Alles Liebe, MaPa
Patrick
Danke euch! 😀 Haben heute schon die ersten Anfragen bekommen, nachdem wir den Preis an die Saison angepasst haben 😉
Maria und Gottfried
Spannende Berichte und tolle Fotos! Man kann richtig mitleben ! Wir wünschen euch eine gute Weiterreise