raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

Auf einen Kaffee mit den Igorot

Wie im letzten Beitrag schon angekündigt, schafften wir es nach Moalboal, indem wir von Anda mit sage und schreibe 3 Tricycles, einem Bus, einem Van, einer Fähre und einem Taxi fahren mussten. Gedauert hat der „Spaß“ eh nur fast 12h, da wir alle Anschlüsse super erwischten. Am nächsten Morgen ging es sogleich zum Strand, um mit den Sardinen um die Wette zu schwimmen. Auf dem Hinweg versuchen bereits viele Verkäufer uns eine überteuerte Schnorchelausrüstung zu verleihen, wir haben zum Glück ein Set dabei. Am Strand bietet uns dann ein französisches Pärchen an, dass wir von ihnen ein zweites leihen können, was wir dankend annehmen! Nur etwa 50m vom Ufer fällt das Korallenriff ab, und dort ziehen riesige Sardinenschwärme vorbei. Wenn man sich beim Abtauchen nähert, ändert sich die Schwarm-Formation nach einer ganz eigenen Dynamik. Es ist schon ein einmaliges Erlebnis, mitten durch so einen Schwarm von abertausenden Fischen durchzutauchen! Aber es kommt noch besser: eine Meeresschildkröte schwimmt vorbei, wir kommen ihr fast zum Angreifen nah. Wir „verfolgen“ sie einige Minuten, es scheint sie überhaupt nicht zu stören… Toll!

Patrick beim Tauchen mitten im Sardine Run

Da wir nur 3 Nächte, also 2 volle Tage in Moalboal haben, ist wieder straffes Programm angesagt: Roller mieten und auf zur nächsten Wasserfalltour, denn der Süden der Insel Cebu ist bekannt für seine schönen Wasserfälle. Bei einigen davon wird sogar Canyoning angeboten, speziell bei den Kawasan-Falls, wir haben uns jedoch dagegen entschieden, da dort massenweise koreanische Touristen durchgeschleust werden. Stattdessen ging es für uns zum Kabutongan Fall. Dort angekommen waren wir ganz alleine, nur eine Frau zum „Eintritt kassieren“, ihre Kinder und ein Guide waren da. Patrick wollte ja den Canyon auf eigene Faust erkunden, sie bestanden aber darauf, dass ein lokaler Guide verpflichtend sei. Wir ließen uns dann doch zu einer „Semi-Canyoneering“ Tour überreden, nachdem wir wieder um den Preis hart verhandelt haben (6,50€ oder 400 Pesos). Irgendwie nervt es, wenn es keine fixen Eintrittskosten gibt, sondern sie irgendeinen beliebig hohen Preis ansagen, man dann aber doch mit fast der Hälfte davon durchkommt. Semi-Canyoneering deshalb, da es bei dieser Schlucht von unten nach oben geht (und wieder zurück), ohne dass man Abseilen muss. Helme und Schwimmwesten gab es zum Ausleihen, wobei die Helme beim ersten Reinspringen schon nicht mehr am Kopf waren, da die Schnalle kaputt war, naja. Unser sicher bestens ausgebildeter Guide führte uns dann durch die wirklich schöne Tropenschlucht zum letzten Wasserfall, wo auch ein Sprung in den wunderbaren Gumpen möglich war.

Nach dieser erfrischenden Canyoning-Tour (Neoprenanzug gab es ja keinen, braucht man auch nicht unbedingt bei dieser Tour-Länge) fuhren wir noch weiter zum Inambakan Wasserfall, der durch seine unglaublich türkise Wasserfarbe überzeugen konnte. Leicht angeschlagen erreichten wir nach eineinhalbstündiger Rollerfahrt wieder Moalboal, eine Verkühlung mit Halsweh machte sich bei Patrick bemerkbar. Wir hatten leider wieder nur einen Ventilator im Zimmer, die Nächte hier waren fast unerträglich heiß. Und in der letzten Nacht, kurz nachdem wir eingeschlafen waren, viel der Strom aus. Schweißgebadet wurden wir munter, und beschlossen kurzerhand ins Stadtzentrum zu gehen, um uns in einer Bar mit Notstromaggregat ein kühles Bier zu genehmigen, da bei diesen Temperaturen an Schlaf nicht mehr zu denken war. Nur blöd, dass wir am nächsten Tag schon um 6 Uhr losmussten, und die zwei wahrscheinlich anstrengendsten Reisetage bis jetzt überhaupt vor uns lagen. Wir mussten nämlich zurück nach Cebu City, von dort nach Manila fliegen und von Manila per 12h Nachtbus nach Sagada in den Cordilleras-Bergen von Luzon.

Am Flughafen Manila buchten wir uns mit der App Grab ein Taxi zum Busbahnhof in Quezon City (eine Stadt auch in der Metro Manila), nicht ahnend, dass wir trotz Rush-Hour für nur ca. 16km über zwei Stunden brauchten! Das Verkehrssystem in Manila ist schon berühmt als eines der schlechtesten weltweit, und Staus, in denen man mehrere Stunden verbringt sind ganz normal… Unvorstellbar! Leider kam es noch schlimmer, denn nun hatte es auch Romana mit der „Verkühlung“ erwischt, und im Nachtbus war es durch die Klimaanlage saukalt. Durchhalten war die Devise, denn an Schlafen war durch die kurvigen Gebirgsstraßen schon wieder nicht zu denken…

Da Sagada auf 1600m liegt, ist das Klima deutlich angenehmer als in der Küstenregion, ja es kann sogar ziemlich kalt werden in der Nacht. Aber wir genossen die kühle Bergluft, und den ersten Tag erholten wir uns von den Reisestrapazen. Einer der Hauptgründe, warum wir nach Sagada wollten, sind die „Hanging Coffins“, also die hängenden Särge. Bei dieser Bestattungsart wurden die Särge wichtiger Persönlichkeiten vom hiesigen Stamm der Kankanaey in Felswänden aufgehängt, damit deren Geist näher am Himmel ist und über andere wachen kann. Gebräuchlicher allerdings war, dass die Särge in Höhleneingängen gestapelt wurden. Bei einer geführten Tour konnten wir beides bestaunen, und erfuhren auch, dass diese Bestattungsmethoden von der Regierung mittlerweile aus hygienischen Gründen nicht mehr erlaubt sind, der letzte Sarg wurde 2010 aufgehangen.

Die Menschen hier stammen von einer indigenen Volksgruppe und werden als Igorot (übersetzt „Menschen von den Bergen) bezeichnet, und haben ihre eigene Sprache und Kultur. Die meisten können zwar Tagalog und Englisch sprechen, aber ein Filipino kann die Igorots nicht verstehen. Sie wurden irgendwann auch christianisiert, und es gibt auch hier sehr viele Kirchen. Rituale, Zusammenkünfte, Streitschlichtungen usw. werden in sogenannten „Dap-eys“ gehalten, welche nur von Männern betreten werden dürfen. Hier entscheidet der Ältestenrat, da dieser die meiste Lebenserfahrung und Weisheit vorzeigen kann. Viele Dörfer sind nur zu Fuß zu erreichen, die Menschen leben vom Reis-, Gemüse- und Kaffeeanbau, auch Gold wird abgebaut, in einigen wenigen Gemeinden wie Sagada auch von den Touristen.

Wir erfuhren, dass am Samstag eine Hochzeit sei, und waren natürlich neugierig, wie das hier so abläuft. Wir gingen zur Kirche, wo die Trauung stattfand, und es wurde uns gesagt, dass die komplette Hochzeitszeremonie 3-4 Tage dauert, und insgesamt 19 Schweine geschlachtet werden. Eingeladen um mitzufeiern sei jeder, und nach der Trauung wurde Essen in Plastiksäcken an wirklich jeden ausgeteilt, die Schlange war ziemlich lang! Abends stießen wir wieder dazu, und es wurde auf der Straße zu Gong-Geklopfe getanzt. Dieses Trommeln auf Metall-Gongs wurde auf Dauer irgendwie etwas eintönig, aber andere Länder, andere Sitten 😉 Wir wurden auch aufgefordert mitzutanzen, was wir dann auch für kurze Zeit taten. Leider war es regnerisch und ziemlich kalt, weshalb wir dann nicht zu spät schlafen gingen. Aber schon toll, auf einer indigenen Hochzeit mitten in den philippinischen Bergen mitfeiern zu dürfen!

Interessante Gongmusik, zu der getanzt wird.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Sagada sind die Höhlentouren. Wir buchten für Montag die „Cave Connection Tour“, welche mehrere Stunden dauern sollte. Am Eingang der Höhle konnten wir schon die gestapelten Särge sehen, irgendwie schräg. Die Höhlentour war super, und unser Führer erwies sich als geborener Fotograf! Man musste klettern und durch unterirdische Gewässer durchwaten, in der Regenzeit muss man sogar schwimmen. Wir waren in 1h 40min durch, was laut mehreren Leuten rekordverdächtig war! Nachmittags liehen wir uns einen Scooter, und unternahmen eine geführte Wanderung zum Großen Wasserfall durch ein abgelegenes Dorf und Reisterassen. Man merkt schon, ohne Guide kommt man nicht zu den Touristenattraktionen, es ist einfach eine zu wichtige Einnahmequelle für die Einheimischen geworden – zum Glück für unsere Verhältnisse noch recht billig. Danach fuhren wir noch nach Besao, da es hier anscheinend auch schöne Reisterassen geben soll. In Besao war es dann wirklich wunderschön, hier verirren sich keine Touristen mehr hin. Als wir durch den Ort fuhren, hielt uns ein Mann auf, wir sollten doch einen Kaffee trinken. Wir stiegen ab, und eine Runde älterer Damen saß vor dem Geschäft und schenkte uns sofort Kaffee in eine Tasse ein. Wir genossen eine angenehme Unterhaltung, auch die alten Damen konnten Englisch! Patrick wollte bezahlen, aber sie nahmen nichts… Das ist Gastfreundschaft!

Die Busfahrten am nächsten Tag zurück nach Manila waren dann wieder weniger freundlich, 2 mal 6 Stunden macht 12 Stunden Bus. In Baguio mussten wir umsteigen und durch die Stadt zu einem anderen Busterminal gehen, wo wir dann aufgrund des Andrangs wieder eine Stunde verloren. Komplett geschafft in Manila angekommen mussten wir uns dann noch durch einen Nachtmarkt kämpfen, man kann sich den Lärm und den Dreck in Manilas Gassen und Straßen kaum vorstellen. Heute geht es weiter nach Bangkok, wo wir zwei Nächte verbringen werden, und dann hoffentlich wie geplant mit dem Zug zur laotischen Grenze kommen.

Ganz normaler Wahnsinn in Manilas Straßen

Es ist wieder soweit, nach 4 Wochen Philippinen wollen wir ein Fazit ziehen. Natürlich kann man hier einen Luxus-Urlaub in einem Luxus-Resort am palmengesäumten Strand komplett mit westlichen Standards verbringen. Dann wird man aber nie die wahren Filipinos und das Land kennenlernen. Wenn man etwas gewohnten Komfort aufgibt, und sich bewusst ist, dass man sich in einem großteils armen Entwicklungsland befindet, finden wir schon, dass man sich darauf einlassen sollte, und Land und Leute kennenzulernen.

Fazit Philippinen

Was uns gefallen hat:

  • Die Unterwasserwelt und die nicht überfüllten Strände
  • Die Lebenslust und Gastfreundlichkeit der Filipinos
  • Die guten Englisch-Kenntnisse zur einfachen Kommunikation
  • Das Essen war zwar lange nicht so vielfältig wie in Japan, wir aßen aber oftmals erstaunlich gut!
  • Irgendwie geht dann doch alles, es braucht nur etwas länger hier!
  • Unsere Sicherheitsbedenken waren grundlos, im ganzen Land überhaupt kein Thema, außer etwas Vorsicht in der Großstadt Manila ist defintiv angebracht

Was uns weniger gefallen hat:

  • Die Aufdringlichkeit vieler Tricycle- und Taxifahrer und Verkäufer in manchen Gegenden. Speziell als Weißer sticht man halt sofort heraus, und wird mit „Sir, Sir!“ oder „Ma’m“-Rufen belagert.
  • Müll, Müll, und noch mehr Müll überall! Speziell Plastikverpackungen und Flaschen
  • Kinder werden manchmal vorgeschickt, um zu betteln
  • Die Behandlung von Tieren ist wirklich „unter aller Sau“, da überlegt man sich schon immer wieder, ob man ein Fleischgericht oder doch die vegetarische Variante bestellen soll…
  • Die Preise sind oft willkürlich, man hat oft das Gefühl, dass man als Tourist zuviel bezahlt hat

Wir möchten uns Recht herzlich für all die lieben Kommentare bedanken, es freut uns sehr, wenn wir euch auf diese Art auf unsere Reise mitnehmen können!

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  1. Toni

    einfach toll,was ihr alles erlebt- irre Eindrücke

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