raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

Feine Weine zum Geburtstag

Die erste Nacht auf der Südinsel verbrachten wir auf einem bezahlten Campingplatz, da dieser durch ein Kombi-Angebot mit der Fährüberfahrt quasi gratis dabei war. Es war zufällig Pizza-Tag beim Campingplatz, was bedeutet, dass man sich eine selbstgemachte Pizza (oder in unserem Fall eine Tiefkühlpizza 😉) im Steinofen backen kann. Die TK-Pizza war überraschenderweise erstaunlich gut, laut Romana sogar besser als die letzte „Richtige“ beim vermeintlichen „Italiener“…

Wir kamen nicht so richtig in die Gänge am nächsten Morgen, aber schlussendlich landeten wir bei einer netten kurzen Wanderung bei der Pelorus Bridge, wo wir das erste Mal auf die ominösen schwarzen Bäume trafen, die aussehen als hätte es kürzlich gebrannt. Bei näherer Betrachtung stellt man aber fest, dass der schwarze Überzug leicht gummiartig ist, fast wie ein Moos oder ein Schwamm… vielleicht ein Pilz? Unsere zweite Vermutung war dann richtig – es ist ein ungefährlicher und weit verbreiteter schwarzer Pilz, der sich auf den Ablagerungen von altem Honigtau bildet. Wenn man genau hinsieht, erkennt man viele weiße, herausstehende Fäden mit Tropfen an den Enden. Das sind die Hinterteile von lnsekten, an denen sich der süße Honigtau bildet und viele Bienen anlockt. Wieder was dazugelernt! Nach der Wanderung sprangen wir sogar noch in den glasklaren, smaragdgrünen Bach zum Erfrischen, zogen uns aber wieder schnell um, denn die Sandfliegen machten uns das Leben schwer.

Am nächsten Tag ging es weiter über kurvige Küstenstraßen bis zur Stadt Nelson. Dort machten wir einen kulturellen Zwischenstopp mit Besuch in einer Kunstgalerie namens „The Suter“ (jaaaa sie war gratis – deswegen dürfen wir nicht schimpfen). Als Belohnung gab es für uns danach einen frittierten Schnapper bei einem landestypischen Fish and Chips Lokal (sprich Backfisch mit Pommes).  Was noch zu erwähnen ist, dass das Ketchup hier im Lande „Tomato Sauce“ heißt, immer extra kostet und wirklich ekelhaft anders schmeckt.

Das nächste erwähnenswerte Erlebnis spielte sich am nächsten Tag ab, wir hatten uns nämlich im Vorfeld eine 21 km lange Tageswanderung im Abel Tasman Nationalpark vorgenommen. Der 60 km lange Abel Tasman Coast Track ist einer der zehn  sogenannten „Great Walks“ in Neuseeland und viele Wanderer machen ihn in mehreren Tagen. Wie viele andere auch ließen wir uns mit einem Boot bis zur sogenannten Bark Bay, einer von unzähligen malerischen Buchten fahren, und gingen dann von dort zum Ausgangspunkt in Marahau zurück. Die ca. 45 min Bootsfahrt mit dem 250 PS starken Außenborder und dem unterhaltsamen Maori-Kapitän war sehr spaßig, vor allem da ein kleines Mädchen hinter uns saß, das vor Vergnügen nur so jauchzte und herzhaft lachte, sobald der Kapitän so richtig auf die Tube drückte. Bei der Bark Bay machten wir auch das erste Mal Bekanntschaft mit den Wekas, die zu jeder Zeit versuchen den Menschen irgendwelche Lebensmittel zu stibitzen. Wir sahen zwei dieser hühnerartigen Vögel um einen von Wanderern erbeuteten Müsliriegel streiten und begegneten noch vielen weiteren auf dem Weg. Nach etwa 3 Stunden Wanderung erreichten wir die Stelle beim Torrent Bay, bei der man bei hoher Flut brusttief durch das Wasser waten muss – bei uns war es dann glücklicherweise nur noch knöcheltief. Bei Ebbe kann man direkt über den Sand gehen, und spart sich mehrere Kilometer Umweg. Insgesamt eine schöne Wanderung mit tollen Blicken auf türkise Buchten und goldene Sandstrände, aber wir benötigten dann doch 8 Stunden inklusive Pausen und wir waren dann beide sehr froh, als wir wieder mit Sigrid vereint waren. 

Auf dem Campingplatz angekommen, versuchte dann ein ganz hartnäckiges Weka immer wieder irgendwelche Sachen von uns zu stehlen. Ein weiteres einschneidendes Erlebnis (zumindest für Romana) war dann, als wir gemütlich beim Abendessen waren und einem kleinen Spatz beobachteten, der direkt neben unserem Tisch herumhüpfte und herumpickte. Dann machte es „RUMMMS“ – ein Greifvogel stürzte sich auf den Boden wo der kleine Piepmatz stand und war innerhalb eines Wimpernschlages mit ihm wieder verschwunden – Ruhe in Frieden kleiner Spatz.

Die nicht scheuen Fantails machen ihrem Namen alle Ehre (Fächerschwanz)

Wir machten uns auf zum Norden der Südinsel und hielten bei der größten Süßwasserquelle der südlichen Hemisphäre – den Pupu Springs (genau genommen Te Waikoropupū Springs). Dort sprudeln 10000 Liter Süßwasser einfach so vom Boden heraus! Das Wasser ist so klar, dass man unter Wasser eine mittlere Sichtweite von 63 Metern gemessen hat – destilliertes Wasser hat eine theoretische Sichtweite von 80 Meter! (Quelle)

Danach fuhren wir zum Cape Farewell und zum Wharariki Beach. Dort war es sooo windig, dass man am Strand einem Sandsturm ausgesetzt war. Die Fußspuren im Sand waren innerhalb von Minuten wieder verschwunden. Es war einfach cool wie es den Sand über die Dünen hinweg blies, aber es ist sehr schwierig diese eindrucksvollen Momente in Worte zu fassen, wir zeigen einfach besser ein Video:

Eine leichte Brise weht…

Einen Tag später fuhren wir zu den Nelson Lakes, die schon in den Neuseeländischen Alpen liegen und von Zweitausendern umgeben sind. Das Wetter konnte man als regnerisch, unlustig und kalt beschreiben. Am Abend klarte es dann innerhalb einer halben Stunde komplett auf und war dann wieder wolkenlos. Das Wetter hier in Neuseeland ist wirklich unglaublich wechselhaft! Die Nacht war dann bitterkalt und wir froren trotz aller Decken und Kleidung, die wir anhatten. Am Freitag bestiegen wir den Flag Top (lohnenswerte Rundwanderung mit tollem Seeblick!) und fuhren dann am Nachmittag nach Blenheim, vorbei an unzähligen Weingütern, von denen wir dann noch einige besser kennenlernen sollten.

Der 30. März, also der Geburtstag von Romana, begann mit einem Besuch des Schwimmbades in Blenheim und einem Brunch (Eggs Benedict sind der Frühstücksklassiker in NZ!). Mein Geburtstagsgeschenk an Romana war eine Weinverkostungs-Tour, da die Region Marlborough DAS Weinviertel von Neuseeland schlechthin ist. Um die Mittagszeit holte uns dann ein kleiner Bus ab, mit welchem wir in einer kleinen Gruppe zu drei Weingütern gefahren wurden und Unmengen an vergorenem Traubensaft (hauptsächlich weiße Sorten) kosteten. Zur Feier des Tages schlemmten wir noch Fisch Portuguesa und Angus-Steak in einem brasilianischem Restaurant, der Chef stimmte sogar noch ein Happy-Birthday für Romana an!

Es ging weiter auf die Ostküste, genauer gesagt nach Kaikoura, weil es da viele Robben und Eisbären in freier Wildbahn zu sehen gibt. Das mit den Eisbären war natürlich ein unlustiger Aprilscherz (und verspätet noch dazu), diese gibt es ja nur auf der Nordhalbkugel zu sehen 😉. Bei einem kurzen Spaziergang direkt unterhalb der Steilküste trifft man dann aber tatsächlich auf eine ganze Robbenkolonie: Die meisten davon liegen einfach nur auf den Steinen und chillen, ein paar andere „hopsen“ herum und die Kleinen spielen in den kleinen Becken, die sich zwischen den Steinen gebildet haben. So unbeholfen sie sich an Land bewegen, so flink und geschickt sind sie im Wasser – wie kleine Torpedos. Dabei kann man den Tieren sehr nahe kommen wenn man will, aber man sollte schon einen Sicherheitsabstand einhalten, da sie kräftig zubeißen können. Als Romana dann lautstark niesen musste, fauchte uns sogleich ein größeres Exemplar an und wir erschraken ziemlich, da wir die auf dem Seegras liegende und gut getarnte Robbe glatt übersehen haben. Eine kleine Baby-Robbe, die zu uns hopste und nur 3 Meter vor uns stehen blieb, sorgte dann für die totale Entzückung bei Romana (ok ich geb’s zu – bei mir auch 😉).

Diese kleine Robbe war sehr neugierig

Noch eine kleine Anekdote aus Kaikoura: Am Stellplatz versuchte ich bei mehreren Mitcampern Bargeld zu wechseln, da wir das Geld für die Übernachtung nicht genau hatten. Zwei Neuseeländer, ein Maori und ein Weißer, konnten mir dann weiterhelfen. Nach kurzem Smalltalk drückte mir der Maori einen frisch gefangenen Seeigel in die Hand. Ziemlich perplex schaute ich die beiden etwas ratlos an, die beiden lachten und der Maori knackte mir kurzerhand mit einem Messer den Igel in zwei Hälften. In Japan habe ich mich ja nicht überwinden können, rohen Seeigel zu essen, aber ich ergriff nun die Chance – wann bekommt man schon so eine Gelegenheit, noch frischer geht’s nicht! Ich schnappte mir einen Löffel und schaufelte mir das eklig aussehende, gelbe Fleisch in den Mund, wie es mir der Maori vorzeigte. Die angebliche Delikatesse war nicht schlecht und schmeckte ziemlich nach Salzwasser mit etwas bitterem Nachgeschmack. Ich revanchierte mich mit einem Dosenbier für diese interessante Erfahrung!

Den gestrigen Tag verbrachten wir in Hanmer Springs, wo ein bekanntes Thermalbad ist. Ein Relax-Tag zwischendrin muss ja auch mal sein und was gibt es dafür Besseres als tümpeln in 40° heißem Schwefelwasser. Ich konnte Romana dann dazu überreden mit mir die wild aussehende Doppelreifenrutsche zu rutschen, büßte dafür aber dann fast mein Gehör ein – diese Schreie hat man sicher noch weit gehört 😂

Wir queren gerade die Insel zur Westküste. Wenn wir dort nicht von den Sandflys komplett gefressen werden, ist unser Plan, die Südinsel in einer Art Achter abzufahren – mit dem Endziel in Christchurch. Bald werden wir beginnen unser Auto zu inserieren, damit wir Ende April dann wieder ohne Auto zu den Cook-Inseln weiterfliegen können. Hoffentlich finden sich einige interessierte Käufer – auch in der Nebensaison!

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  1. Toni

    Toller Beitrag und Bilder……die Weinverkostung würde ich dem Seeigel vorziehen….ist aber sicher reine Geschmacksache

  2. Petra

    Wie immer – super tolle Eindrücke !!
    Die Verkostung des Seeigels muss natürlich sein, erinnert mich an die Austern beim Dorfwirt…..würde da auch die Weinverkostung vorziehen.
    Bilder und Kurzvideos sind besonders interessant. 🙂

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