raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

Autor: Patrick Seite 3 von 5

Die Welle

Wir werden ja ziemlich oft gefragt, woher wir kommen. Nicht selten halten uns die Leute dann für ein australisches Pärchen, wenn wir mit „We are from Austria“ antworten. Speziell in Japan, auf den Philippinen und in Laos sagten wir dann immer schon „Austria, in Europe“ dazu, was aber auch nicht immer half – Österreich ist einfach eine zu kleine Nummer 😉 Interessanterweise haben wir einige Neuseeländer mit Bezug zu Österreich/Tirol kennengelernt und auch hier bei den Australiern scheint Österreich ein begehrtes Reiseziel zu sein, wie wir in mehreren Smalltalks erfahren haben. Für uns stand Australien ursprünglich gar nicht auf unserer Länder-To-Do-Liste, aber im Laufe der letzten Monate dachten wir uns, dass wir den roten Kontinent wohl doch nicht so einfach auslassen können, wenn wir schon so nahe sind. Und da sind wir – letzten Mittwoch in Sydney gelandet, vom Flughafen mit einem Taxi direkt zum Campervan-Vermieter und los ging’s!
Das Modell ist ein Toyota Estima, ein ähnlich großes Auto wie unser Nissan Serena in Neuseeland.

Zurück in die Zukunft

Als wir in Aitutaki gelandet sind, war das Wetter nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten – es regnete. Das ist hier in den Tropen aber nichts ungewöhnliches, nicht umsonst ist trotz der starken Sonne alles grün bewachsen. Unsere Gastgeberin, die komischerweise schon wieder Cathy hieß, empfing uns mit duftenden Blumenketten im winzigen, offenen Flughafengebäude. Nach kurzer Fahrt im Pickup waren wir schon da bei unserer kleinen „Villa“. Für 160€ die Nacht bekamen wir eine moderne Unterkunft mit eigenem Pool, Strand und Automatikroller geboten. Obwohl dies schon unser Budget hoffnungslos sprengte, ist das noch richtig billig im Vergleich zu den Resorts, dort blättert man für eine Nacht 500€ aufwärts hin.

Am Nachmittag wurde das Wetter schon freundlicher und wir düsten gleich mit dem Roller über die halbe Insel, die nur ca. 7 km lang ist. Echt super, dass der Roller inkludiert ist, denn öffentliche Verkehrsmittel gibt es auf Aitutaki keine. Die Häuser sind viel einfacher als in Rarotonga, fast wie auf den Philippinen kommt es uns vor. Das Geld der Touristen scheint wohl in den Resorts zu bleiben, denn vieles scheint etwas heruntergekommen oder als würde es Wartung benötigen. Mit Helm fährt hier niemand auf der Insel, aber das Verkehrsaufkommen ist überschaubar und die meisten kriechen im Schneckentempo die Straße entlang. Entgegenkommende Einheimische heben oft die Hand zum Gruß oder nicken uns freundlich zu. Die Straße zur höchsten Erhebung der Insel, dem 124 Meter hohen Maunga Pu, war dann ein besserer Traktorweg und ziemlich zugewachsen. Unsere Offlinekarte am Handy war da vielleicht nicht mehr ganz aktuell, einige Straßen und Wege scheinen aufgegeben und der Natur überlassen worden zu sein.

Seegurkensalat auf Rarotonga

Mit dem Flieger von Neuseeland zu den Cook Inseln überquerten wir das erste Mal in unserem Leben die Datumsgrenze und es war plötzlich wieder der 29. April. Fast wie eine Zeitreise, dieser fünfstündige Flug! Wir machten natürlich gleich den Anfängerfehler und hatten die Unterkunft einen Tag zu kurz gebucht, nämlich erst ab 30. April… Gott sei Dank fiel Romana der Fehler noch früh genug in Neuseeland auf und wir konnten noch die Buchung ändern. Die Ankunft am Flughafen auf Rarotonga, der Hauptinsel der Cook Islands, war dann gleich so richtig klischeehaft: Ein beleibter Polynesier im Blumenmeer empfing die Gäste unseres Fliegers mit Ukulelen-Musik in der Ankunftshalle, bei der man sofort in den Anti-Stress-Modus verfällt. Stress gibt es anscheinend hier auf den Inseln sowieso nicht…Ein Taxi brachte uns dann in etwa 20 Minuten zu unserer Unterkunft, die am sogenannten Muri Beach gelegen ist. Schneller als 50 km/h wird grundsätzlich nicht gefahren, und das Überholen von Mopedfahrern wird als unhöflich angesehen. Am Ziel angekommen, empfing uns schon Cathy, unsere herzliche Airbnb Gastgeberin. Es war nicht einfach, so kurzfristig eine halbwegs erschwingliche Unterkunft zu finden, aber es schien, als hätten wir einen echten Glücksgriff gemacht. Cathy hatte uns neben Kokosnüsse auch frische Früchte wie Papaya, Bananen und Drachenfrucht bereitgestellt, ja sogar eine Flasche Weißwein war im Kühlschrank zu finden. Das kleine Häuschen ist nur 20 Meter neben dem Strand gelegen und ist zwar einfach eingerichtet, hat aber alles zu bieten, was wir für eine Woche benötigen, für 65€ pro Nacht einfach perfekt!

Wir wurden dann relativ früh von krähenden Hähnen und Straßenlärm von der Hauptstraße geweckt, die leider nicht weit entfernt ist. Alle Hennen und Gockel sind wildlebend und laufen auf der ganzen Insel frei herum. Anscheinend schlafen sie nachts in den Bäumen und es soll amüsant sein zu sehen, wie sie da raufkommen. Am Vormittag gingen wir gleich das erste Mal schnorcheln bei uns am Strand. Beim Hineingehen musste man schon aufpassen, dass man nicht auf eine Seegurke tritt, so viele lagen da auf dem sandigen Grund der Lagune herum. Ein richtiger „Seegurkensalat“ dachte ich mir. Ansonsten war das Schnorcheln im flachen Wasser der Lagune schon ziemlich toll, auch ganz schön große Brocken von Fischen waren dabei.

Abends gingen wir zum Nachtmarkt, wo wir sogleich das „Ikamata“ ausprobierten, das uns der Taxifahrer empfahl. Ikamata ist eine lokale Delikatesse, bestehend aus rohen Fischfiletstücken in einer Sauce aus Kokosnusscreme, Limettensaft und Zwiebel. Der Geschmack übertraf unsere Erwartungen und der Fisch zerging auf der Zunge! Als Hauptspeise nahmen wir noch bei einem Stand einen Grillteller mit Fleisch, darüber schreiben wir lieber nichts, außer dass man hier in Zukunft vielleicht beim Fisch bleiben sollte…

See Ya, New Zealand!

Für unsere letzte Woche in Neuseeland hatten wir nochmal ein Traumwetter – meist wolkenlos! Am türkisblauen Lake Tekapo noch eine kleine Wanderung, bevor es nach Timaru ins Schwimmbad ging. Am darauffolgenden Tag entschieden wir uns aufgrund des herrlichen Wetters, nochmal ins Landesinnere in die Berge zu fahren, genauer gesagt zum Herr-der-Ringe-Drehort für Edoras und Helms Klamm. Die Fahrt dorthin führt über eine ewig lange Schotterstraße, vorbei an nur noch vereinzelten Farmen. Eine kurze Wanderung bringt einen auf den Mount Sunday, der so heißt, weil sich dort früher immer sonntags die umliegenden Farmer getroffen haben. Die Aussicht in die unbewohnten Täler ist wirklich spektakulär. Wir übernachteten einfach auf dem Wander-Parkplatz, und am nächsten Morgen ließen wir uns ein Frühstück im wohl abgelegensten (und komplett autarken) Café Neuseelands schmecken, der Mt. Potts Lodge. Nach sehr kalorienreichen Eggs Benedict und Pancakes brauchten wir einen Verdauungsspaziergang, weshalb wir den Lake Clearwater in 2,5h umrundeten. Ursprünglich wollten wir zwar einen Gipfel besteigen, aber irgendwie fehlte uns dann die Motivation, wohl ausgelöst durch maßloser morgendlicher Völlerei.

Pinguin-Alarm!

Wir sind dem Südpol sogar noch 7 km näher gekommen als in Bluff, nämlich am südlichsten Punkt der Südinsel, dem Slope Point (nur noch 4803 km 😉). Von dort ging es zur Curio Bay, die einerseits für den „Versteinerten Wald“ und andererseits für eine Kolonie der seltensten Pinguinart, den Gelbaugenpinguinen, bekannt ist. Nachdem wir leider keine Exemplare davon am Strand entdecken konnten, begeisterten uns dafür die versteinerten Baumstämme. Durch eine Ascheschicht eines Vulkanausbruchs und einen Prozess namens Verkieselung wurden hier ganze Bäume zu Stein, man kann sogar die Jahresringe auf den Überbleibseln am Strand sehen! Sehr interessant das Ganze, wieder was dazugelernt!

Nach einem Abstecher zum McLean Wasserfall, der aufgrund der vergangenen Regentage total braun ging, fuhren wir zu einem abgelegenen DOC Campingplatz am Catlins River. Das Department of Conservation ist quasi das Umwelt- oder Naturschutzministerium in Neuseeland und unterhält unter anderem Nationalparks, historische Plätze, Wanderwege, Hütten und eben auch viele (einfache) Campingplätze. Die meisten davon haben nur ein Plumpsklo und kosten 10 oder 15$ pro Person pro Nacht, was für hiesige Verhältnisse recht wenig ist, aber einige sind auch gratis!

Zum Abendessen gab es diesmal nur eine Fertigsuppe mit Knoblauchbrot. Als wir zum Zähneputzen nochmals ausstiegen war es schon stockdunkel. Plötzlich „galoppierte“ etwas von hinten auf Romana zu, welche sich erschrocken umdrehte. Als das Licht der Stirnlampe auf das angreifende Tier fiel, änderte dies seinen Kurs und zischte Richtung Wald davon. Wir sahen nur noch eine dicke, graue Fellkugel davonhüpfen…. Wahrscheinlich ein fettes Possum, wie die unbeliebten, eingeschleppten Beutelratten hier heißen. Das Possum hat sich wahrscheinlich noch mehr erschrocken als wir, sobald es in seinem Sturmlauf uns als Menschen erkannt hat! Wir lachten noch eine ganze Weile darüber, vor allem wegen dem lauten Getrappel, das auch von einem Pony oder Schaf hätte sein können 😂

Herbstln tuat’s

Die Wettervorhersage für die berühmten Pancake Rocks („Pfannkuchen-Felsen“) war für den nächsten Tag so schlecht, dass wir uns beeilten, noch am gleichen Abend dort vorbeizufahren. Die Entfernung dorthin von der Stadt Greymouth sind eh nur knapp 50 Kilometer durch Niemandsland an der Küste, also quasi ein Katzensprung in Neuseeland. Die Fahrt lohnte sich – die geschichteten Gesteins-Türme, deren Entstehung wissenschaftlich noch nicht geklärt ist, erinnern wirklich an gestapelte Palatschinken. Das Geräusch, wenn die Wellen in die unterhölten Felsformationen donnern, klingt wie eine gedämpfte Explosion oder eine Lawinensprengung. Eine weitere Sehenswürdigkeit auf dem kurzen Rundweg waren die „Haare der Riesenmeerjungfrauen“: Sogenanntes Bull Kelp (eine bis zu 40m lange Algenart) schwimmt auf der Wasseroberfläche, und die Wellenbewegungen lassen die Seetang-Bündel wirklich wie schwimmendes Kopfhaar aussehen.

Am nächsten Tag stand die Hokitika Schlucht an, die normalerweise aufgrund des türkisen Wassers bei den Touristen Entzücken auslöst. Aufgrund des starken Regens in der Nacht hatte das Bachwasser bei uns dafür eine schön braune Farbe 😉 In ganz Neuseeland, aber speziell hier in der Gegend von Hokitika, gibt es sehr viel Greenstone (Jade), der in der Maorikultur sehr geschätzt wird. Wir besuchten eine der vielen Greenstone-Schmuckmanufakturen in Hokitika, aber wie so viele kleinere Ortschaften in Neuseeland wirkte auch diese ziemlich verlassen und als hätte sie die beste Zeit schon hinter sich.

Feine Weine zum Geburtstag

Die erste Nacht auf der Südinsel verbrachten wir auf einem bezahlten Campingplatz, da dieser durch ein Kombi-Angebot mit der Fährüberfahrt quasi gratis dabei war. Es war zufällig Pizza-Tag beim Campingplatz, was bedeutet, dass man sich eine selbstgemachte Pizza (oder in unserem Fall eine Tiefkühlpizza 😉) im Steinofen backen kann. Die TK-Pizza war überraschenderweise erstaunlich gut, laut Romana sogar besser als die letzte „Richtige“ beim vermeintlichen „Italiener“…

Wir kamen nicht so richtig in die Gänge am nächsten Morgen, aber schlussendlich landeten wir bei einer netten kurzen Wanderung bei der Pelorus Bridge, wo wir das erste Mal auf die ominösen schwarzen Bäume trafen, die aussehen als hätte es kürzlich gebrannt. Bei näherer Betrachtung stellt man aber fest, dass der schwarze Überzug leicht gummiartig ist, fast wie ein Moos oder ein Schwamm… vielleicht ein Pilz? Unsere zweite Vermutung war dann richtig – es ist ein ungefährlicher und weit verbreiteter schwarzer Pilz, der sich auf den Ablagerungen von altem Honigtau bildet. Wenn man genau hinsieht, erkennt man viele weiße, herausstehende Fäden mit Tropfen an den Enden. Das sind die Hinterteile von lnsekten, an denen sich der süße Honigtau bildet und viele Bienen anlockt. Wieder was dazugelernt! Nach der Wanderung sprangen wir sogar noch in den glasklaren, smaragdgrünen Bach zum Erfrischen, zogen uns aber wieder schnell um, denn die Sandfliegen machten uns das Leben schwer.

Am nächsten Tag ging es weiter über kurvige Küstenstraßen bis zur Stadt Nelson. Dort machten wir einen kulturellen Zwischenstopp mit Besuch in einer Kunstgalerie namens „The Suter“ (jaaaa sie war gratis – deswegen dürfen wir nicht schimpfen). Als Belohnung gab es für uns danach einen frittierten Schnapper bei einem landestypischen Fish and Chips Lokal (sprich Backfisch mit Pommes).  Was noch zu erwähnen ist, dass das Ketchup hier im Lande „Tomato Sauce“ heißt, immer extra kostet und wirklich ekelhaft anders schmeckt.

Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu

…ihr denkt jetzt sicher, dass wir beim Schreiben mit dem Kopf auf der Handy-Tastatur eingeschlafen sind. Falsch gedacht! Bei diesen 85 scheinbar zufällig zusammengesetzten Buchstaben handelt es sich um den Namen eines 305 m hohen Hügels in der Sprache der Maori, also der indigenen Bevölkerung von Neuseeland. Dieser unausprechliche Ortsname schaffte es sogar ins Guinnes Buch der Rekorde aufgrund seiner Länge. Laut Wikipedia kann man ihn wie folgt übersetzen:

„Der Ort, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der Berge hinabrutschte, emporkletterte und verschluckte, bekannt als der Landfresser, seine Flöte für seine Geliebte spielte.“

Was auch immer das genau heißen mag, die Maori sind ja für ihre Geschichten berühmt, die von Generation zu Generation überliefert werden. Auch wir ließen es uns nicht entgehen, das 10 Meter lange Ortsschild abzulesen, aber zuerst noch zu unseren vorhergehenden Erlebnissen.

Die vielen Farben der Nordinsel

Vergeht die Zeit bei euch auch so schnell? Schon wieder sind 9 Tage seit dem letzten Artikel vergangen und wir sind schon seit 3 Wochen mit unserem Gefährt durch Neuseeland unterwegs. In dieser Woche haben wir in einer Schleife die Nordinsel durchkreuzt und haben dadurch sehr unterschiedliche Landschaften mit unglaublichen Farbkontrasten gesehen: Von türkisblauen Vulkanseen über grüne, verwunschene Märchenurwälder bis zu schwarzen Lavasandstränden bei kitschig orangem Sonnenuntergang.

Die Abenteuer der zwei Hobbits

Kurz nachdem wir den letzten Beitrag veröffentlichten, gingen auf einmal unsere Seitentüren nicht mehr elektrisch auf. Oje, die Kühlbox und das Aufladen der Handy-Akkus hat sicherlich die Autobatterie leer gesaugt über den ganzen Tag… und wir haben nicht mal ein Starterkabel dabei! Zum Glück hatte eine Camping-Nachbarin ein solches Kabel und ein netter älterer Neuseeländer fuhr mit seinem Jeep sogleich neben unser Auto und half uns beim Starten, was glücklicherweise auch funktionierte! Jetzt nur nicht mehr abstellen und gleich eine größere Runde drehen, damit wir die Autobatterie wieder etwas aufladen. Wir fuhren zur nächsten Tankstelle, da wir sowieso Motoröl kaufen wollten, weil die nachmittägliche Ölmessung einen besorgniserregenden Tiefststand anzeigte. (Wir fanden dann im Nachhinein heraus, dass unsere Vorgänger doch kein volles Service mit Ölwechsel gemacht hatten…). Um unseren tollen Stellplatz am Strand nicht zu verlieren, dachten wir uns, dass wir einfach unseren Camping-Tisch inzwischen stehenlassen. Als wir ca. 30 Minuten später von der Tankstelle wieder zurück kamen, war kein Camping-Tisch weit und breit mehr zu sehen! Das Rätsel um den verschwundenen Billigtisch, den wir erst am Vortag gekauft hatten, löste sich erst auf, als unser Yoga-praktizierender Hippie-Nachbar zurückkam und sagte, er habe geglaubt, wir seien abgereist und hätten den Tisch vergessen…

Seite 3 von 5

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén